
Räuberpistolen
$ick
288 Seiten
Paperback: 16,00 €
Biografie
Piper Verlag
Räuberpistolen erhält von uns:
Wer die Biografie Shore, Stein, Papier kennt, weiß: $ick lässt nichts aus. Wer sie nicht kennt, wird spätestens nach den ersten Seiten von Räuberpistolen verstehen, warum dieser Mann einen Grimme-Preis für Aufklärung ohne moralisch erhobenen Zeigefinger bekommen hat. Das Buch erzählt das, was damals nicht erzählt werden durfte – weil die Verjährungsfrist noch lief.
Hannover, Mitte der Neunziger. $ick ist drogenabhängig, obdachlos und trifft in einer zwielichtigen Kneipe am Steintor auf Hermann: unscheinbares Gesicht, Birkenstock an den Füßen, tiefdunkle Augen – und eine Cartier am Handgelenk. Was folgt, ist eine kriminelle Partnerschaft aus bewaffneten Raubüberfällen, Kokain und einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis, das keinen guten Ausgang nehmen kann.
$ick schreibt so, wie er spricht: direkt, ungeschönt, mit einem Rhythmus, der sich anfühlt wie Herzrasen unter einer Skimaske. Die Sprache ist roh, die Szenen sind filmisch, und das Tempo lässt kaum Luft zum Durchatmen. Man ist dabei: beim Überfall, beim Turkey, beim Kotzen auf dem dreckigen Teppich. Schönschreiben geht anders. Aber es ist die Erinnerung.
Und gleichzeitig ist das Buch eine Rückschau mit Abstand. Zwischen Shore, Stein, Papier und Räuberpistolen liegen neun Jahre – Jahre, die man dem Autor anmerkt. $ick weiß heute, was er damals war: suchtgesteuert, gefährlich, rücksichtslos. Und er weiß es nicht nur, er hat es durchdacht. Während der erste Teil seiner Geschichte vor allem berichtet, ordnet Räuberpistolen ein – ruhiger, klüger, mit einer Selbstreflexion, die unaufdringlich wirkt. Dazwischen stehen Widmungen an Verstorbene, an seine Tochter, an alle, die er verletzt hat. Das Gewissen hat sich längst gemeldet und ist auf jeder Seite nachweisbar – ohne dass es zur Selbstgeißelung wird.
Das Besondere an Räuberpistolen? Da gibt es einiges. Manchmal zeigt es sich dadurch, dass es nicht das Buch geworden ist, was es leicht hätte werden können: ein Abenteuerroman, eine Selbstbemitleidung, eine Heldengeschichte. Es ist ein Blick zurück ohne Verklärung, von jemandem, der sich die Freiheit genommen hat, endlich vollständig zu erzählen. Wer $ick schon kannte, versteht nach diesem Buch noch einmal mehr. Wer ihn noch nicht kannte, fängt am besten sofort mit Shore, Stein, Papier an.
Marvin Sommer







