
Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor
Sarah Wynn-Williams
496 Seiten
Paperback: 20,00 €
Biografie
KiWi-Verlag
Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor erhält von uns:
Mark Zuckerberg hat versucht, dieses Buch zu verhindern. Dass es trotzdem erschienen ist – und sofort auf Platz eins der New-York-Times-Bestsellerliste landete –, sagt einiges über das Buch und noch mehr über das thematisierte Unternehmen aus.
Sarah Wynn-Williams ist Neuseeländerin, Diplomatin, Juristin. 2010 pitcht sie um einen Job bei Facebook, den es noch gar nicht gibt: Die internationale Politik des Unternehmens aufzubauen und Facebook gegenüber Regierungen weltweit zu vertreten. Sie glaubt an die Plattform als Werkzeug zur globalen Vernetzung, an die Mission, die Welt offener und verbundener zu machen. Anfangs ist Facebook genau das: ein junges Unternehmen mit großen Ideen und überschaubaren Strukturen. Doch mit dem Wachstum verschiebt sich etwas. Aus der Mission wird Kalkül, aus Idealismus Machtpolitik und Wynn-Williams erlebt hautnah, wie fragwürdige Deals mit China und Doppelmoral an der Unternehmensspitze den Kurs bestimmen. Auch wie Facebook den Wahlsieg von Donald Trump im Jahr 2016 beeinflusst hat, bekommt die Neuseeländerin mit.
Trotz der 500 Seiten und der komplexen politischen und technischen Zusammenhänge bleibt das Buch über den Traumjob erstaunlich zugänglich. Wynn-Williams erklärt, ohne zu belehren. Sie wechselt mühelos zwischen politischer Analyse und persönlicher Erfahrung, ohne den Faden oder die Leser zu verlieren. Ihr Ton ist direkt, trocken, oft komisch und gerade dann am schärfsten, wenn sie scheinbar beiläufig erzählt. Stellenweise zieht sich das Buch dann doch etwas, vor allem wenn sich die internen Machtspiele wiederholen. Doch fällt die kaum ins Gewicht, weil die Geschichte insgesamt zu gut ist, um sie aus der Hand zu legen.
Was bleibt, ist ein Unbehagen, das sich nicht so einfach zur Seite lege lässt. Denn viele Insider-Geschichten von Wynn-Williams decken sich mit dem, was man als Facebook-Nutzer im Alltag längst spürt: Eine Plattform, die auf Klicks und Reichweite getrimmt ist und provokante Inhalte bevorzugt, weil sie zum Kommentieren und Teilen anregen.
Man scrollt nach der Lektüre anders durch den Feed. Man sollte es zumindest. Denn genau das ist vielleicht das Beste, was ein Buch leisten kann: dass man danach genauer hinschaut.
Marvin Sommer












