IMG_7993Manche Songs wurden für die Ewigkeit geschrieben. Sie überleben die Epoche, in der sie groß geworden sind und klingen auch nach Jahrzehnten noch immer frisch, zeitgemäß und einfach gut.

Die Ballade Kayleigh, der britischen Band Marillion zählt zu diesen Songs. Manche verlieben sich heute sogar neu oder wieder in diese traurig-schöne Entschuldigung, mit der Marillion-Sänger Fish (Derek William Dick) 1985 gleich bei mehreren Ex-Freundinnen um Verzeihung für seine Selbstsucht bat. Gleichzeitig sorgte die Band dafür, dass heute (besonders in England) eine Menge dreißigjähriger Frauen mit dem Namen und der Schreibweise „Kayleigh“ ihrerseits mit Beziehungsproblemen zu kämpfen haben, denn der Song löste einen Hype um den Namen aus.

Kayleigh ist, gemeinsam mit der zweiten, fast ebenso schönen Single Lavender, das Herzstück des Konzeptalbums Misplaced Childhood. Am Sontag feierte der Schotte Fish, der seinen Bandkollegen von Marillion bereits 1988 die Rückenflosse gekehrt hatte, in der Herforder Diskothek X das 30-Jährige dieses Albums. Im Rahmen seiner Tour Farewell to Childhood machte der fast 58-Jährige einen Abstecher ins Ostwestfälische: Mit zahlreichen Besuchern und großem Erfolg.

In der rund zweistündigen Show bildete das Album Misplaced Childhood, der größte (aber nicht einzige) Erfolg der Marillion-Geschichte, den Kern des Programms. Das Warm-up des pünktlich um 20 Uhr gestarteten Konzertabends absolvierte Fish mit neueren und älteren Stücken seiner Solokarriere. Der Applaus nach Pipeline (Suits, 1992), A Feast of Consequences (A Feast of Consequences, 2013), Long Cold Day (Fellini Days, 2001), Family Business (Vigil in a Wilderness of Mirrors, 1989) und The Perception of Johnny Punter (Sunsets on Empire, 1997) ließ erahnen, dass sich fachkundige Fish-Kenner im X eingefunden hatten.

Nach einer guten halben Stunde wurde der Applaus noch einmal erheblich gesteigert, als nämlich die ersten Töne des Childhood-Openers Pseudo Silk Kimono erklangen, der wie auf dem gefeierten Album nach kurzer Zeit und übergangslos mit Kayleigh verschmolz. Nun folgten sämtliche Stücke, die Misplaced Childhood 1985 so groß und Marillion zu den heißesten Acts des Jahres gemacht hatten. Dass Fishs Stimme dabei eher angeschlagen und der Sound längst nicht immer optimal rüberkam, interessierte kaum noch jemandem: Es ist Sonntagabend und der Held aus den Achtzigern feiert eine Party. Das Publikum feierte euphorisch mit.

Nach knapp zwei Stunden war zunächst Schluss. Nach einer kleinen offiziellen Getränkepause (die inoffiziellen hatte sich der Künstler während der Instrumentalparts auf der Bühne gegönnt) wurde mit Market Square Heros (1982) das Tempo noch einmal angezogen, bevor mit The Company (1989) der gefeierte Schlusspunkt gesetzt wurde. Starkes Konzert – starker Typ. ta

 

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