
Vorspiel: Smalltalk mit viel Wortwitz
Zwischen Wasserkefir und Hingabe lagen fast zwei Stunden unterhaltsamer Plauderei, in denen die beiden TV- und radioaffinen Moderatorinnen dem Publikum nicht nur ihre Leidenschaft für Bücher näherbrachten, sondern auch viel Privates offenbarten.
Die erste halbe Stunde plauderten die beiden so gar nicht über Bücher, wobei das Thema des Abends – eines der vier Elemente: Wasser – jedoch immer wieder gestreift wurde. So verriet Christine Westermann, dass sie zwar das Meer liebe, aber sich nicht hineintraue. Und auch Aktuelle Stunde-Moderatorin Mona Ameziane bekannte, dass es ihr suspekt sei, was da alles um sie herumschwimmen könne und sie lieber in Hallenbädern schwimme.
Gleich zu Beginn aber überraschte Mona Ameziane ihr Gegenüber mit ihrer neuen Leidenschaft: Wasserkefir! Ein in Mode gekommenes probiotisches, kohlensäurehaltiges Fermentationsgetränk, das sich sehr förderlich auf die Darmflora auswirkt. Wie es herzustellen ist, erklärte die Moderatorin mit spürbarer Begeisterung und hatte auch sogleich eine Kostprobe für Christine Westermann mitgebracht, die sich eher misstrauisch zeigte und meinte, es sehe wie Gin Tonic aus. Auch könne sie sich einen Schuss Whisky darin vorstellen. Sogleich nahm man den Faden auf und fantasierte von der ersten alkoholischen Wasserkefir-Bar in Köln, die dort bestimmt gut ankäme. Das zahlreich erschienene Publikum hatte sichtbar sein Vergnügen an dieser und anderen unterhaltsamen Ping-Pong-Plaudereien.
Erster Akt: Unter Wasser von Tara Menon
Dann aber ging es in medias res, und Mona Ameziane stellte das erste Buch vor. Die Handlung spielt an zwei verschiedenen Orten vor dem Hintergrund real stattgefundener Naturkatastrophen. In erster Linie, so Mona Ameziane, sei es aber die feinfühlige Beschreibung einer Freundschaft zwischen zwei Mädchen. Das Buch habe sie im Urlaub in Marokko gelesen und es habe sie nicht mehr losgelassen. Auch deshalb, so verriet sie, weil sie vor ein paar Jahren selbst ein traumatisches Erlebnis während einer Überschwemmung gehabt habe. Dennoch, so betonte sie, sei das Buch keineswegs ein Katastrophenroman, sondern ein wunderbares Sommerbuch, das jeden verzaubern werde. Sichtlich gespannt wartete sie nun auf die Meinung Christine Westermanns. Die machte es spannend, konnte aber am Ende nur ebenso begeistert zustimmen. „Ein Buch, das warnt und wärmt!“, lautete ihr Bonmot als Fazit.
Zweiter Akt: Ultramarin von Ann-Christin Kumm
In Christine Westermanns anschließender Empfehlung spielt ebenfalls das Element Wasser eine große Rolle. Auch darin geht es um eine – diesmal auch körperliche – Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Männern, der eine manipulativ, der andere von diesem beeinflussbar. Zusammen mit einer Freundin verleben sie einen Sommerurlaub in einem Ferienhaus an der dänischen Küste. Auch dies ein Strand- und Sommerroman, aber im Gegensatz zum ersten vorgestellten Buch einer, der dem Leser mehr abverlangt und psychologisch abgründiger ist.
Zugabe: Hingabe
Zum Schluss empfahlen die beiden je ein Buch zum Thema Hingabe. Mona Ameziane zeigte sich tief bewegt von Benoîte Groults bereits 1988 erschienenem Roman Salz auf unserer Haut. Christine Westermann legte den Zuhörern pünktlich zum Muttertag Lena Goreliks Buch Alle meine Mütter ans Herz.
Fazit: Ein unterhaltsamer Abend mit viel Wortwitz nicht nur für Leseratten!
Uwe Voehl