Fassungslosigkeit und pures Entsetzen machte sich bei einem weiteren Treffen enttäuschter und verunsicherter „Kinder in Not OWL“-Mitglieder breit. Ging es bislang bei den bisherigen Vorwürfen lediglich darum, dass der Anteil der Ausgaben für hilfsbedürftige Kinder in einem denkbar unüblichen Verhältnis zu den Gesamtausgaben stand, so muss nun davon ausgegangen werden, dass die wenigen „Leuchtturmprojekte“ des Vereins mehr als Geldmaschinen für eigene Zwecke und weniger als wohltätige Projekte genutzt wurden.

Die beiden Kassenprüferinnen des Vereins Kinder in Not OWL (die namentlich nicht genannt werden möchten) trauen ihren eigenen Ohren nicht, als Marion Fürhoff darüber berichtet, welche finanzielle Unterstützung sie vom Verein seit Anfang 2012 tatsächlich erfuhr. Zählt Marion Fürhoff nämlich sämtliche Beträge zusammen, die sie für ihren 2011 an Leukämie erkrankten Sohn Joel erhalten hatte, kommt sie auf einen Gesamtbetrag von maximal 950 Euro.

Bei ihren Prüfungen waren die beiden Kassenprüferinnen allerdings auf weitaus höhere Beträge gekommen. Denn zahlreiche Tankquittungen, auf die die beiden engagierten Damen aufmerksam wurden, sollen vom ersten Vorsitzenden Reinhard Lehmann mit den Autofahrten der Mutter ins Klinikum nach Münster erklärt worden sein. Allein mehrere hundert Euro Fahrtkosten habe der Verein Marion Fürhoff erstattet. Das Problem ist nur: Frau Fürhoff hatte nach eigenen Angaben diese Fahrten nie unternommen. Wie auch? Als ihr Sohn zur Transplantation in Münster bleiben musste, sei sie zusammen mit ihm für sechs Wochen auf der Isolierstation der Klinik untergebracht gewesen – sie hätte demzufolge gar nicht fahren können. Lediglich einmal habe sie auf Kosten des Vereins „Kinder in Not OWL“ getankt – das sei zu einem anderen Zeitpunkt und für 20 Euro gewesen.

Der Vorwurf der unsachgemäßen Ausweisung der Ausgaben scheint umso schlimmer, da erhebliche Spendeneinnahmen des Vereins vermutlich zweckgebunden für den erkrankten Joel geleistet wurden.

Marleen Koring ist die Tante des Jungen, der sich heute erfreulicherweise auf dem Weg der Gesundung und Stärkung befindet. Sie weiß, „das einige Unternehmen und auch Privatspender  gezielt für Joel und seine alleinerziehende Mutter gespendet haben“, weil Marion Fürhoff durch die Erkrankung ihres Sohnes ihre Arbeitsstelle aufgeben musste. Die Spendendosen des Vereins habe man bei einigen Unternehmen sogar selbst aufgestellt; zudem habe der erste Vorsitzende des Vereins „Kinder in Not OWL“, Reinhard Lehmann, darauf hingewiesen, dass 500 (!) Firmen schriftlich gezielt um die Unterstützung des Jungen gebeten worden seien. Kein Wunder also, dass in einem vorläufigen Jahresbericht vom 23.10.2012 (!), der dem Salzstreuner vorliegt, bereits Einnahmen unter der Position „Joel `10 jähriger´ Junge Spende“ in einer Höhe von 2.235 Euro ausgewiesen sind. Zu diesem Zeitpunkt hatte Marion Fürhoff nicht einmal ein Drittel dieses für ihren Sohn bestimmten Geldes vom Verein über Zuwendungen erhalten – insgesamt waren es bis dahin nicht einmal 700 Euro.

„Wie schäbig“, entfährt es Marion Fürhoff, als sie diese Zahlen erfährt und sich daran erinnert, dass nach dem Krankenhausaufenthalt der Wunsch ihres Sohnes nach einem neuen Bett und einem Schrank von Reinhard Lehmann mit der Begründung abgelehnt wurde, es sei kein Geld für diese 500-Euro-Investition verfügbar. Stattdessen habe es nur ein Bett für ca. 250 Euro gegeben – für Joel, der dem Verein erhebliche „Einnahmen bescherte“.

Ohnehin seien die Leistungen des Vereins für Joel seit einigen Wochen eingestellt worden, erklärt die Mutter; sie fügt auch gleich eine Mutmaßung über die Gründe hinzu: Danach habe Reinhard Lehmann sie aufgefordert, dass sie einen persönlichen Dankesbrief an den Verein verfasst und diesen zur Veröffentlichung freigibt. Sie habe das abgelehnt …

Es gibt also immer mehr Klärungsbedarf, dem der Vorstand um Reinhard Lehmann und Jörg Kischkel nun laut Informationstext auf der eigenen Internetseite mit einer weiteren Mitgliederversammlung (diesmal mit allen Medienvertretern, also auch dem Salzstreuner) nachkommen will. Diese Versammlung wird auch als Grund dafür aufgeführt, dass die geplante Kinderboutique in der Bleichstraße nicht wie geplant am 28. Februar eröffnet werden kann.

Die beim Treffen anwesenden Noch-Mitglieder erklärten allerdings, dass die Boutique ohnehin nicht eröffnet werden könne, da sich aktuell keine Freiwilligen finden ließen, die sich momentan in den Dienst des Vereins stellen wollten.

Die Idee mit der Versammlung hingegen gefällt ihnen: Nur wird diese nun von ihnen selbst einberufen. Eine entsprechende Aufforderung an den Vorstand wurde noch an Ort und Stelle von sechs Mitgliedern formuliert und an die Geschäftsstelle von Kinder in Not OWL versandt.

Darüber hinaus hat Jürgen Ortmann ein weiteres Treffen von Noch- und Nicht-Mitgliedern im „Anno“ angeboten. „Wir haben uns jetzt zweimal getroffen und jedesmal ist mehr ans Tageslicht gekommen. Jeder, der sich informieren und mitreden möchte, ist am Donnerstag, den 28.02., ab 17.30 Uhr herzlich willkommen.“

Hinweis: Die namentliche Nennung der aufgeführten Personen erfolgt mit deren ausdrücklichen Genehmigung. Wir hätten diesen Artikel auch ohne dieses Einverständnis verfasst, bedanken uns aber umso mehr für die Erlaubnis.

 

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Kommentare

Unter der Webseite von Kinder in Not (unter http://www.kinder-in-not-owl.de) kann man jetzt abstimmen, ob man angesichts der Vorwürfe und laufenden Staatsanwaltlichen Ermittlungen für eine Schließung von Verein und Kindershop ist, oder nicht.


Man ist wirklich Fassungslos, da fehlen einem die Worte.