08.05.2015 // Deutschland gucken

Düsseldorfer Kom(m)ödchen

Foto: ta

Das Kom(m)ödchen im Kur- und Stadttheater von Bad Salzuflen. Wieder einmal. Was könnte man nicht alles über diese grandiose Aufführung erzählen. Schlussendlich bleibt es jedoch nur bei einem Versuch, verbunden mit der flehenden Hoffnung, dass das Theater beim nächsten Gastspiel der Düsseldorfer Kabarettbühne endlich einmal ausverkauft sein wird. Denn das hätte sie verdient.

Zum Stück: Lutz, Dieter und Bodo sind Freunde, und das, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein können. Der hektische Dieter reibt sich in jeder Sekunde seines Lebens für seine Firma auf. Der smarte wie penetrante Bodo hat Millionen geerbt und findet ohnehin alles basic und schnaffte. Lutz hat den Glauben an die Welt und an die Gesellschaft längst verloren. Das Einzige, was alle Typen seit Jahren vereint, ist das gemeinsame Deutschland gucken  – also Länderspiele der Deutschen Nationalmannschaft. Als wieder einmal ein lebenswichtiges Fußballspiel ansteht, begeht der sorglose Egozentriker Bodo eine Todsünde – er bringt seine Freundin Solveig mit zum Fernsehabend. Zu allem Überfluss möchte diese auch noch die Jungs beim Deutschlandgucken filmen, da sie als Filmemacherin an einem Dokumentarfilm über Fußballfans wie Lutz, Bodo und Dieter berichten möchte …

Was oberflächlich als liebevolle Karikatur des Fußballs und seiner Fans verstanden werden kann, entwickelt sich nach und nach zu einer messerscharfen, unglaublich witzigen Sezierung der deutschen Befindlichkeit. Während sich Lutz vergeblich der kollektiven Benebelung durch den Fußball entziehen will („Nur Idioten schwenken Fahnen!”), nimmt Dieter den Spaß am Sport bierernst („Freundschaftsspiele gegen Holland gibt es nicht!”).

Das Kom(m)ödchen zelebriert die Kampfszenen vor dem Fernseher als rasantes Boulevardstück, das, ganz nebenbei, die aktuelle Tagespolitik in bester Stammtischrhetorik abfrühstückt und immer wieder die Frage nach einem neuen Nationalismus stellt. Das gemeinsame Fußballgucken verrät eine Menge darüber, „wie eine Nation sich selbst sieht”, heißt es irgendwann einmal in dem Stück. Da ist was dran … ta

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