Buch-Tipp: Radikalisierungsmaschinen

Wer sich als Freizeitradikaler freut, weil immer mehr Menschen „endlich dahinterkommen, wie die Welt wirklich tickt“, dem sei das Buch von Julia Ebner nicht empfohlen: Es könnte das in der Echokammer zusammengezimmerte, eindimensionale Weltbild zerstören.

Mit Perücke und falschen Identitäten hat sich die österreichische Extremismusforscherin Julia Ebner in die Parallelwelten der Radikalen begeben. Sie hat sich in Chatrooms eingeschlichen und an echten Treffen teilgenommen. Schnell hat Ebner erkannt, wie durchorganisiert, professionell und vernetzt extremistische Organisationen mittlerweile operieren.

Für den gutgläubigen Mitläufer, der Ebners Buch ohnehin meiden wird, wären die detailliert beschriebenen, clever ausgeklügelten, manipulativen Mechanismen recht ernüchternd. Allen anderen Leserinnen und Lesern dürfte die Lektüre zumindest ein großes Unbehagen bereiten. Denn mit harmlosen Spinnern, die ihre verquere Weltsicht ins Netz hinausblasen, haben die Extremisten 4.0 längst nichts mehr gemein. Schlimmer noch: Aufgrund des jugendlichen Durchschnittsalters ihrer Rekruten beherrschen die radikalen Kräfte die gesamte Palette der Kommunikation: Von der Hard- und Software bis zur Wahl von Bildern und der Umdeutung von Begrifflichkeiten. Die Maschine läuft auf Hochtouren – wer kann sie stoppen?  ta

Buchcover Radikalisierungsmaschinen von Julia Ebner
Radikalisierungsmaschinen
Julia Ebner
334 Seiten
18,00 €
Suhrkamp Nova

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