Therapie für Wikinger
Regie: Anders Thomas Jensen
Mit Mads MikkelsenNikolaj Lie KaasSofie Gråbøl
116 Minuten
Komödie
Splendid Film


Therapie für Wikinger erhält von uns

4 von 5 Sternen

Nach dem Verbüßen seiner Haftstrafe kommt Anker aus dem Gefängnis frei und will unbedingt an die Millionenbeute, die er bei einem Raubüberfall erbeutet hatte. Doch nur sein Bruder Manfred kennt das Versteck des Geldes. Dummerweise leidet der an einer dissoziativen Identitätsstörung. Für die beiden ungleichen Brüder beginnt eine Reise in die Vergangenheit.

Teile des Plots mögen auf den ersten Blick an den Filmklassiker „Rain Man“ erinnern. Das Werk von Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen biegt aber bald in eine andere und gewalttätigere Richtung ab. Doch eine gute Portion schwarzer Humor und die Art der Inszenierung nehmen vielen brutalen Ereignissen die Schärfe. Darin ähnelt „Therapie für Wikinger“ früheren Werken von Jensen wie „In China essen sie Hunde“.

Wer den Film aber auf Gewalttätigkeit und Komik reduziert, kratzt nur an dessen Oberfläche. Gleichzeitig handelt er nämlich auch Fragen um Identität, Normalität, Realität und Trauma ab. Das geschieht mit einer Ernsthaftigkeit, die mit plattem Klamauk nichts zu tun hat. Statt des erhobenen Zeigefingers hat Jensen absurde Ideen und immer wieder ein schwarzhumoriges, letztlich aber auch versöhnendes Lachen parat. Am Ende steht sogar eine moralische Botschaft – wobei die Art der Vermittlung perfekt zur Tonalität des Films passt.

Der bekannteste Name im Cast ist fraglos Mads Mikkelsen, der einem größeren Publikum vor allem als Bösewicht Le Chiffre in „James Bond 007: Casino Royale“ bekannt geworden ist. Doch der 60-Jährige mimt nicht etwa den Verbrecher Anker, sondern dessen Bruder, und das gelingt ihm hervorragend. Denn Mikkelsen schafft es, Manfred facettenreich – von tragisch über verzweifelt bis komisch – und glaubwürdig darzustellen. Lob verdient auch Nikolaj Lie Kaas, der Anker verkörpert und lange Zeit primär in Skandinavien bekannt war. Das änderte sich im letzten Jahr durch eine Rolle in Guillermo del Toros „Frankenstein“. Vor allem die Interaktion zwischen den Brüdern überzeugt.  

So manche Wendung, die sich Anders Thomas Jensen ausgedacht hat, kommt allerdings gar nicht so überraschend, wie dieser das wohl geplant hatte. Das ist schade, liegt aber auch daran, dass nicht der ganze Cast die Qualität von Mikkelsen und Kaas hat. Zudem gibt es einige drastische Szenen, von der Verstümmelung bis zum Tod, die so manchen Zuschauer abschrecken könnten. Nicht jede(r) kann über absurde Selbstmordversuche schmunzeln und Teilen des Publikums könnte manchmal das Lachen im Halse steckenbleiben.

„Therapie für Wikinger“ ist eine unterhaltsame Komödie, hat aber wenig mit weichgespültem Hollywood-Klamauk zu tun. Wer eine tiefgründige Geschichte voller schwarzem Humor schätzt und keine Probleme mit einigen expliziten Gewaltdarstellungen hat, sollte dem neuesten Werk von Anders Thomas Jensen eine Chance geben.

Ingo Gatzer

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