
Pumuckl und das große Missverständnis
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Mit Florian Brückner, Maximilian Schafroth, Robert Palfrader
98 Minuten
Animation
LEONINE Distribution
Pumuckl erhält von uns:
Pumuckl spielt seine Streiche bereits seit 1962. Die Abenteuer des Kobolds waren auch bereits mehrfach im Kino zu sehen – allerdings zuletzt vor über zwei Dekaden. Die 2023 gestartete TV-Serie „Neue Geschichten vom Pumuckl“ erwies sich aber als so erfolgreich, dass der rothaarige Nachfahre der Klabautermänner 2025 auch wieder in die Lichtspielhäuser kam. In „Pumuckl und das große Missverständnis“ zieht es Florian Eder aufs Land. Der Neffe von Franz Eder will hier die Schreinerei besuchen, in der er einst seine Ausbildung absolviert hatte. Natürlich kommt sein Kobold mit. Doch Pumuckl gefällt das Landleben deutlich weniger als seinem Meister Eder, zumal der kaum Zeit für ihn hat. Schließlich kommt es zu einem verlockenden Angebot sowie zu einem folgenreichen Missverständnis zwischen Mensch und Kobold.
Lohnt sich der Gang ins Kino oder handelt es sich letztlich nur um eine aufgeblähte Variante der Serie? Tatsächlich ist dem Film das Millionenbudget an mehreren Stellen anzumerken. So wäre die rasante Traktorfahrt, das bayerische Dorffest und das Finale im Münchner Opernhaus im Rahmen einer TV-Folge wohl nicht so zu realisieren gewesen. Gleichzeitig greift der Film aber auch aus der Serie bekannte Figuren und Topoi stimmig auf. Das dürfte auch daran liegen, dass Matthias Pacht und Korbinian Dufter für das Drehbuch verantwortlich sind. Beide hatten bereits das Skript der Serie „Neue Geschichten vom Pumuckl“ maßgeblich gestaltet.
Der Film trifft immer wieder den dezent anarchischen, gleichzeitig aber auch herzlichen und dennoch fast komplett kitschfreien Ton, den kleine und große Pumucklfans kennen und lieben. Neben zahlreichen komischen Einfällen, Slapstickeinlagen und Wortwitzen gibt es aber nun einen roten Faden, der sich durch den Film zieht, und etwas mehr Drama als in der Serie. Allerdings verlaufen einige angedeutete Handlungsstränge dann doch im Sand. Für die professionelle Inszenierung sorgt Marcus H. Rosenmüller, der durch den schwarzhumorigen Neo-Heimatfilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ bekannt geworden ist und dessen Werk „Extrawurst“ vor kurzem noch in den Kinos zu sehen war.
Auch wenn Florian Brückner den neuen Meister Eder stimmig verkörpert, stiehlt die Titelfigur ihm und dem Rest des Casts in den meisten Szenen dennoch die Show. Das dürfte auch daran liegen, dass Kabarettist Maxi Schafroth den Kobold bei den Dreharbeiten regelrecht spielt und die Animationen erst später auf Basis seiner Mimik und Gestik entstehen. Für ein erwachsenes Publikum neigt Robert Palfrader als Dirigent Hendrik Windmaler vielleicht zu sehr zum Overacting. Doch junge Zuschauer finden womöglich gerade dessen überzogenes Auftreten komisch.
Als Bonusmaterial befinden sich auf der Blu-ray nicht nur Aufnahmen von den Dreharbeiten, sondern auch Interviews mit Cast und Crew. Dabei sind besonders die Aussagen von Maxi Schafroth interessant, dem anzumerken ist, wie viel Spaß ihm die Verkörperung des Kobolds macht. Aber warum sind bei den Interviews nur die Antworten und nicht auch die Fragen zu hören? Ob da vielleicht der Pumuckl Schabernack getrieben hat?
Hurra, der Kobold mit dem roten Haar ist auch im Kino wieder da: Als gelungener Familienfilm unterhält „Pumuckl und das große Missverständnis“ nicht nur kleine, sondern auch große Koboldfans mit viel Komik, etwas Anarchie und einer Spur Drama.
Ingo Gatzer