Kurioses aus der Stadtgeschichte – Der Galgenstreit

Den gemeinen „Bad Salzufler“ gibt es ja eigentlich nicht – es gibt Salzufler, Schötmaraner, Ehrsener, Retzer und Wüstener, die nur zufällig in der gleichen Stadt wohnen – wobei die Freiwilligkeit des gleichen Stadtnamens im Rahmen der Gemeindereform Ende der 60ziger doch sehr relativ ist. Besonders bildlich für die Eigenständigkeit, leichte Dickköpfigkeit und auch heute noch vorhandene Konkurrenz zwischen den Nachbarn steht der „Galgenstreit“ zwischen Salzuflen und Schötmar.

Im Mittelalter hatten die Salzufler auf dem späteren Hoffmannschen Gelände, zwischen Salzuflen und Schötmar, eine Richtstätte mit Galgen, einem praktischen und formschönen Gerätes, dass Sündern, Kriminellen und sonstigen Übeltätern einen direkten Weg ins Fegefeuer verhieß. Die Schötmaraner – übrigens schon länger als die Salzufler mit eigener Gerichtsbarkeit ausgestattet – hatten ihrerseits ein kleines Problem, als sie einen Verurteilten aufknüpfen wollten: Ihnen fehlte der Galgen. Also wandte man sich an den Salzufler Magistrat und bat höflich um die Benutzung der Salzufler Apparatur – eigentlich ein Akt freundlicher Nachbarschaftshilfe. Stand er doch in unmittelbarer Nähe.

Doch der Magistrat der Salzestadt war über die Anfrage wenig erbaut und sagte: „Das gibt es nicht, der Galgen ist für uns und unsere Kinder!“

Worauf die Schötmaraner nur zurückgaben: „Liebe Salzufler, den Galgen lassen wir Euch so gern, jedoch das Lachen über Euren weisen Rat, das ist für uns und unsere Kinder.“

Man kann fast sagen, dass die Schötmaraner seitdem gerne über den Salzufler Rat lachen…Natürlich hat diese schöne Anekdote einen handfesten Hintergrund: Schon immer lagen sich Schötmaraner und Salzufler in den Haaren. Vor allem im Mittelalter ging es dabei aber um handfeste wirtschaftliche Interessen, weniger um Galgen und Sünder. So stritt man sich über das Holz aus Asen- und Vierenberg, die Nutzung von Flächen für die Schweinezucht und allerlei andere Dinge. Als 1932 die Städte Salzuflen und Schötmar zusammengelegt wurde, hielt die Zwangsehe nur ein Jahr – mit Fackelzügen und Protestnoten kämpften vor allem die Schötmaraner für ihre Unabhängigkeit. Aber wie wir heute wissen, handelte es sich hierbei nur um „Galgenfrist“.

 

In gewisser Weise hat sich die Konkurrenz bis heute gehalten, wenn etwa die beiden Schützenvereine sich gegenseitig Geschenke mit hintergründigen Anspielungen machen.Doch in der Regel bleibt es friedlich, wie am Schauplatz des damaligen Streites: Auf dem „Galgenkamp“ steht heute der Marktkauf, wo Schötmaraner und Salzufler gemeinsam ihre Wocheneinkäufe tätigen. Zum Wochenmarkt gehen dann aber doch beide wieder getrennte Wege, die einen auf den Salzhof, die anderen an die Begastraße…PS: Was aus dem Bösewicht wurde ist leider nicht überliefert…. Vielleicht doch der Apfelbaum?

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