Eine der nervigsten Straßen Bad Salzuflens, ist die Rudolph-Brandes-Allee – Fahrtrichtung Schötmar. Im Stop-and-go-Verkehr und mit klemmendem Reißverschluss-Verfahren geht es hier zu Stoßzeiten bestenfalls im Schritttempo vorwärts. Würde die Rudolph-Brandes-Allee dem dritten Teil ihres Namens alle Ehre machen, würde man zumindest durch eine von Bäumen begrenzte, grüne Straße stottern. Tatsächlich gibt es hier jedoch nur Blechlawinen, die Rückseite eines gewerblichen Zweckbaus, einen Drive-in und eine 1977 fertiggestellte Bausünde – das Rathaus. Bis April des genannten Jahres war dort, wo heute der Rathausparkplatz befestigt ist, mit dem Hoffmann-Stift ein durchaus ansehnliches Gebäude vorzufinden. 77 Jahre lang hatte es als Krankenhaus, Lazarett, Ambulanz, Pflegeheim („Salzestift“) und sogar Bürokomplex der städtischen Bauverwaltung gedient.

Genau 50 Jahre, nachdem Heinrich Salomon Hoffmann 1850 die „Stärke-Fabrik bei Salzuflen“ – später Hoffmann´s Stärkefabriken genannt – gründete, wurde das Krankenhaus Hoffmann-Stift an der Chaussee nach Schötmar eingeweiht. Zwar gab es in der Wenkenstraße bereits ein Krankenhaus für Salzuflen, doch konnte dieses weder den Kapazitäten des Großbetriebes (die Stärkefabriken beschäftigten weit mehr als 1.000 Menschen) noch dessen Ansprüchen gerecht werden.

Das Hoffmann-Stift bot für männliche und weibliche Patienten je einen Krankensaal mit zwölf, ein Zimmer mit vier Betten und drei Zimmer mit je einem Bett. Dazu kam pro Abteilung ein Schwesternzimmer und ein „geräumiger Tagesraum“. Über einen gesonderten Eingang konnte eine Isolier-Abteilung im ersten Obergeschoss erreicht werden; im Keller befand sich die Küche mit Nebenräumen, sowie ein Speisezimmer für „Arbeiter, denen vom Arzt auf gewisse Zeit ein kräftiges Mittagessen verordnet“ wurde. Um den zentral platzierten Komplex herum gab es Parkanlagen zur Erholung. Heute würden hier Patienten oft ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen. Diese wurden damals übrigens überwiegend nur von der Betriebskrankenkasse in das Stift überwiesen. Erst 1914 schlossen die Fabriken mit der Salzufler Ortskrankenkasse einen Vertrag, durch den nun auch Nicht-Hoffmänner und -frauen die Vorzüge des moderneren und größeren Krankenhauses genießen konnten.
1919 folgte ein Vertrag mit der Stadt, mit der sich Hoffmann´s Stärkefabriken eine städtische Kostenbeteiligung und die Stadt sich ein Bettenkontingent sicherten. Zuvor stand das Krankenhaus, das im Krieg durch die Nutzung als Lazarett erheblich gelitten hatte – und bereits vor dem Ersten Weltkrieg nicht kostendeckend betrieben wurde – schon einmal kurz vor dem Aus. Dieses ereilte das Hoffmann-Stift dann schließlich und schleichend ab Beginn der 1960er-Jahre.

Das teure Krankenhaus, das zeitweise als geachtetes Prestigeobjekt des Unternehmens unter persönlichem Schutz des Generaldirektors Otto Künne stand, wurde nun von den Aktionären abgestoßen. Und obwohl sich die Stadt darum bemühte, weil ein „Salzufler Krankenhaus“ nunmal zu einer Kurstadt gehörte, konnte die Schließung zum 30. April 1965 nicht verhindert werden. Zwar folgte eine kurzzeitige Weiternutzung als Pflegeheim und Verwaltungsgebäude, doch 1977 war endgültig Schluss. Und das Hoffmann-Stift verschwand von der Bad Salzufler Landkarte …

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Kommentare

Hallo und Willkommen !
Da ihr schon in der Hoffmann Straße gelandet seid, möchte ich Euch kurz erzählen, daß bis 1320 die Bega vor Eurer Haustür in die Werre floß. Dann würde der Fluß tatsächlich vor dem Bahnhof Schötmar mit ins Werrebett geleitet. Das würde getan, weil Schötmar bei Hochwasser wohl sehr klein wurde. 1870 wurde dann der Werrekanal gebaut, um die Hochwassersituation zu entspannen. Ebenso, wie der kleine Hügel an unserem Rathaus, oben der Parkplatz, aufgeschüttet wurde, da das Wasser immer bis nach Bad Salzuflen reinlief. „Scrute Mare“ hieß Schötmar bei den Römern -großes Meer .
Ich hoffe, ich habe Euer Interesse für dieses bemerkenswerte Stück Erde weiter entfachen können !
Und ich bin, mit meinen 55Jahren, sehr beeindruckt von Euch !
Ich wünsch alles Liebe und Gute !
Melanie


Guten Tag, wir Senioren (82 Jahre alt, 83 Jahre alt) sind ab Dezember 2021 Neubürger ** Adresse von der Redaktion entfernt ** in 32105 Bad Salzuflen. Wir hatten mehr als 50 Jahre in der Nähe der Hansestadt Bremen gelebt, nun haben wir hier, in der geschichtsgroßen Stadt und dann noch in der Hoffmannstraße ein sehr gutes neues Zuhause gefunden. Immer, wenn man eine „neue“ Heimat sucht, ist es wunderbar, auch einiges über die Stadtgeschichte und vor allem auch, welche sozialen Zusammenhänge existiert hatten, erfahren kann. Das erwärmt das Herz.
Vielen Dank und freundliche Grüße
Christa Schöningh


Ich bin in diesem Krankenhaus am 26 März 1951 zur Welt gekommen und wohnte mit meinen Eltern und zwei Brüdern bis Ende Juni 1959 in der Hoffmannstrasse in einer Werkswohnung .Einige Nachbarn waren zu dieser Zeit : Familie Rössler mit Jochen und Inge ,die Familie Küwert und Familie Warnke mit Kindern Harald und Holger .Wir hatten das grosse Gluck einen Wercksgarten zur Verfügung und Nutzung zu haben indem wir viele glückliche Jahre verbracht haben und indem meine Eltern viel Gemüse anbauen und ernten konnten . 1959 ging es dann Berufsbedingt des Vaters nach Malmedy ( Belgien ) wo meine Eltern begraben sind und wo meine Oma Frieda Wiltschek auch ihre letzte Ruhestätte hatt.