(C) SalzstreunerIn Deutschland sitzen wir alle in einem Zug, der mit Höchstgeschwindigkeit auf den Abgrund zurast. Die Politik vermag den Zug nicht anzuhalten, und auch die Richtung ist laut Angela Merkel alternativlos.

Mit dieser beruhigenden Zustandsbeschreibung unseres Landes lässt sich ein Großteil des aktuellen Bis-Neulich-Programms von Volker Pispers zusammenfassen. Gewohnt schonungslos verbiss sich der Kabarettist in die gesellschaftlichen und politischen Missstände hierzulande und auch anderswo. Besonders im Kapitalismus im Endstadium, dessen Regierung eine völlig entsolidarisierte Bevölkerung sich selbst überlässt und in dem sich die wenigen Reichen mit Schranken, Waffen und entsprechendem Personal von den Armen abschotten, sieht Pispers ein realistisches Zukunftsmodell. Mit dem bereits genannten Zug steuern wir auf diese Zustände zu, die in den USA bereits längst zum Alltag gehören. Immerhin, so Pispers, dürfe der Wähler alle vier Jahre den Lokführer des Zuges neu bestimmen – am Tempo oder an der Richtung ändere dies jedoch nichts.

Ohnehin verspüre der Deutsche an sich wenig Handlungsbedarf, da er sich an den gelenkten und lenkenden Medien, den Genetikexperten wie Thilo Sarrazin oder an ehrenwerten Idolen wie Franz Beckenbauer (für den laut Pispers das Sprichwort „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben” erfunden worden sein muss) orientiert und dem Volksverarschungsprogramm damit Tür und Tore öffne. Wir machen ja mit – jeder einzelne Bürger erfülle laut Pispers stolz seine Rolle in diesem Brot-und-Spiele-System – und das, solange es immer noch andere gebe, auf die man herabsehen könne.

Der mit rund drei Stunden (inklusive Pause) recht kompakte Kabarettabend von und mit Volker Pispers bot einmal mehr die gewohnte und erhoffte Tour de Force durch den politischen und gesellschaftlichen Alltag. Bis zur Schmerzgrenze hält der Kabarettist dem Publikum den Spiegel vor, um es mit einer Pointe zu erlösen. Möglichkeiten für eine Verbesserung der Zustände gibt es für Pispers viele. Und wer nichts ändern will, dem bleibe immerhin noch ein Beruhigungsmittel gegen das schlechte Gewissen: Der Besuch des Kabarett. ta

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