Die falschen Fuffziger: Interview mit Uwe und Jürgen Ortmann

Foto: rt

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Sucht man in Lippe den lebenden Beweis für das Kind im Manne, so würde man in Bad Salzuflen gleich doppelt fündig werden. An Jürgen und Uwe Ortmann hat der Ernst des Lebens seit einem halben Jahrhundert einen großen Bogen gemacht. Jetzt werden die Erfinder des Betreuten Trinkens 50 Jahre alt – und eröffnen eine Sommerresidenz.

Am 28. Mai eröffnet ihr hier am Knetterheider Sportplatz Ortmann’s Anno Sommerresidenz. Was soll das?
Uwe Ortmann: Es ist einfach schön hier. Wir kennen die Menschen, draußen gibt es einen riesigen Biergarten und das Vereinsheim des SV Werl-Aspe drehen wir komplett auf links. Alles kommt raus.
Jürgen Ortmann: Mit dem Anno in der Innenstadt haben wir gezeigt, dass man Kneipen auch anders führen kann. Mit der Sommerresidenz wollen wir beweisen, dass ein Vereinslokal auch für Nicht-Fans des ansässigen Clubs ein netter Treffpunkt sein kann.
Und wie wollt ihr das erreichen?
Jürgen: Mit Aktionen, einem freundlichen, hellen Ambiente und mit einer guten Küche.
Uwe: Das mit der guten Küche lass mal lieber raus, sonst denken die Leute, wir eröffnen hier ein Restaurant.
Jürgen: Naja, aber XXL-Schnitzel haben wir ja im Programm.
Uwe: Stimmt auch wieder. Außerdem hat unsere Imbissbude an sieben Tagen in der Woche geöffnet.

Im Anno seid ihr vor rund fünf Jahren mit Blaulicht-, Schottland- und Coyoten-Partys gestartet. Wann gibt’s den ersten Tabledance auf dem Tresen der Sommerresidenz?
Jürgen: Auf absehbare Zeit gar nicht. Das passt nicht in unser Konzept und auch nicht hierher. Für den Start des Annos in der Osterstraße war das Partyprogramm genau richtig, denn es hat für eine Aufmerksamkeit gesorgt, die weit über die Stadtgrenzen hinausging. Heute hat sich auch unser Konzept für die Innenstadt deutlich verändert, weil auch unser Publikum mittlerweile ein anderes ist.

Inwiefern?
Uwe: Das ganz junge Partyvolk kommt kaum noch zu uns. Wie wir auch von zahlreichen Kollegen und Taxifahrern gehört haben, treffen sich die Kids heute meist in der Wohnung eines Kumpels und lassen sich von dort direkt in die Disco fahren. Weil das sogenannte Vorglühen damit billiger als in der Kneipe ist und im eigenen Zuhause kein Rauchverbot gilt.
Jürgen: Dafür kommen jetzt aber viel mehr Kurgäste. Die sind mindestens genauso lustig und wir selbst können manchmal auch schon um zwei Uhr ins Bett.

Ihr zeigt im Anno seit einiger Zeit auch keinen Bundesliga-Fußball mehr. Kann man sich das als Innenstadtkneipe leisten?
Uwe: Aber sicher. Der Verzicht auf die Live-Fußballübertragungen eines Bezahlsenders hat uns im Anno sogar zusätzliches Publikum beschert. Zahlreiche Kurgäste kommen am Samstagnachmittag gezielt zu uns, weil sie hier Schlagersänger statt Sportreporter hören. In der Sommerresidenz in Knetterheide zeigen wir natürlich die Bundesliga komplett.

Am 18. Mai werdet ihr 50. Und damit endlich erwachsen?
Uwe: Hoffentlich nicht! Wir machen noch immer vor allem das, was uns Spaß macht. Und was wir deshalb möglicherweise auch besonders gut hinbekommen. Ein Grund zum Feiern ist der Fünfzigste natürlich trotzdem.
Jürgen: Die Fete steigt ein paar Tage später bei unserm Bruder Peter, der als dritter Ortmann-Drilling einen genauso guten Grund zum Feiern hat wie wir. Rund 200 Leute haben wir eingeladen. Wer meint, wir hätten ihn vergessen, soll einfach vorbeikommen.

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