Auch die Sparkasse Lemgo blickt wegen der Corona-Pandemie auf ein ganz besonderes Geschäftsjahr zurück. Gemeinsam mit Klaus Drücker, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes, lud Bernd Dabrock, Vorsitzender der Sparkasse Lemgo, erstmalig digital zum jährlichen Pressegespräch. Das Kreditinstitut hat zum 1. Januar 2021 seinen Vorstand verkleinert und stellt sich in verschlankter Form den Herausforderungen der Zukunft.

Unveränderter Leitzins und ein Börsenjahr mit zwischenzeitlichem Rekordhoch

„Der Leitzins befindet sich mit 0,0 Prozent weiterhin unverändert auf seinem historischen Tiefstand. Banken müssen weiterhin für Einlagen bei der EZB bezahlen. Für unsere Kunden bedeutet diese Zinspolitik, dass sie seit fast fünf Jahren (insbesondere für kurzfristige Anlagen) nahezu keine Zinsen mehr erhalten. Auch für 2021 ist keine Änderung der Situation in Sicht“, informierte Dabrock.

Die Kapitalmärkte haben im vergangenen Jahr eine „Corona-Achterbahnfahrt“ hinter sich. Der DAX erlebte im März 2020, mit einem Minus von rund 40 Prozent, einen der stärksten Markteinbrüche der Vergangenheit, konnte jedoch nach einigem „Auf und Ab“ – und einem neuen zwischenzeitlichem Rekordhoch – das Jahr mit einem Zuwachs in Höhe von 3,5 Prozent (13.718 Punkte) positiv beenden. Die deutsche Wirtschaft ist nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine Rezession geraten. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Grundstimmung der Wirtschaft für 2021 dennoch positiv ist. Die Deutsche Bundesbank geht derzeit von einem Wirtschaftswachstum in Höhe von 3,0 Prozent aus.

Positive Entwicklung im Kundengeschäft

„Die positive Entwicklung im Kundenkreditgeschäft hat sich auch im letzten Jahr fortgesetzt. Es wurden von uns neue Kredite in Rekordhöhe von rund 615 Millionen Euro zugesagt. Abzüglich Fälligkeiten und Tilgungen stieg das Kreditvolumen gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro.

Wichtiger Wachstumsträger war erneut das Geschäft mit unseren Firmenkunden“, berichtete Drücker. Die heimische Wirtschaft konnte sich auch 2020 auf die Sparkasse Lemgo als leistungsfähigen Kreditgeber verlassen. An Firmenkunden wurden neue Kredite in Höhe von rund 350 Millionen Euro vergeben – vorrangig für nachhaltige und zukunftsorientierte Investitionen, welche der Stärkung der lokalen Infrastruktur zugutekommen. Zur Abfederung der Corona-Folgen wurden KfW-Hilfekredite in Höhe von über 18 Millionen Euro über die Sparkasse als Hausbank ausgezahlt. Hinzu kamen im vergangenen Jahr Ratenaussetzungen bei insgesamt 1.250 Krediten.

Der Immobilienboom, insbesondere im Privatkundenbereich, hält weiter an. Gut 1.600 Kunden konnte die Sparkasse Lemgo im vergangenen Jahr bei der Erfüllung des Traumes von den „eigenen vier Wänden“ unterstützen. Kreditzusagen für Wohnungsbaukredite von rund 200 Millionen Euro konnten das gute Ergebnis des Vorjahres (180 Millionen Euro) noch einmal deutlich übertreffen. Bei einer Marktsituation mit hoher Nachfrage und geringem Angebot konnten rund 200 Immobilienobjekte vermittelt werden. Die traditionelle Veranstaltung „Immobilia“ wird am 27. und 28. März erstmalig digital stattfinden.

Bei den Kundeneinlagen war ein Wachstum in Höhe von 9,3 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro zu verzeichnen. Wachstumstreiber waren erneut die kurzfristigen Geldanlagen. Dies war in der Krise ein großer Vertrauensbeweis der Kunden, es stellt das Kreditinstitut – aufgrund der bereits erwähnten Minuszinspolitik der EZB – jedoch auch vor große Herausforderungen. Als Reaktion auf diese Marktbedingungen prüft die Sparkasse Lemgo – wie viele andere Kreditinstitute – die Einführung eines Verwahrentgeltes für vermögende Privatkunden.

„Deutliche Zuwächse gab es auch im Kundenwertpapiergeschäft. Die Sparkasse Lemgo verwaltet für ihre Kunden ein Wertpapiervolumen von rund 665 Millionen Euro (+7,1 Prozent in 2020). Wertpapiere bleiben eine wichtige Säule der zukunftsorientierten sowie ausgewogenen Vermögensanlage und ein bedeutender Baustein der Altersvorsorge. Angesichts der unverändert sehr niedrigen Zinsen besteht bei einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont nach wie vor ein Mangel an Anlagealternativen zu Aktien und Fonds“, so Drücker.

Digitale Angebote werden deutlich intensiver genutzt

„Coronabedingt hat die Dynamik der Digitalisierung noch einmal zugenommen. Insbesondere Standardbankgeschäfte wie Überweisungen oder Kontoabfragen werden zunehmend digital abgewickelt“, berichtete Drücker. Sparkassen waren bereits in der Vergangenheit führend bei der Entwicklung digitaler Lösungen und haben ihr digitales Angebot permanent weiterentwickelt. Zeichen hierfür ist auch, dass die Sparkassen-App bei dem aktuellen Test der Stiftung Warentest für die Zeitschrift Finanztest erneut in der Spitzengruppe zu finden ist.

Auch bei der Entwicklung und Nutzung digitaler Bezahllösungen wie zum Beispiel dem Zahlen per Smartphone oder dem kontaktlosen Bezahlen gehen die Sparkassen voran. Im Dezember 2020 tätigten Sparkassenkunden deutschlandweit bereits 66,8 Prozent aller SparkassenCard-Zahlungen kontaktlos.

Trotz aller digitalen Möglichkeiten – die Sparkassen-Kunden entscheiden, welcher Weg für sie der komfortabelste ist: über die App, über das Internet, per Telefon, per Chat oder persönlich vor Ort.

Solides Ergebnis in Pandemie-Zeiten

Die Bilanzsumme konnte die Sparkasse Lemgo auf nun 3,47 Milliarden Euro steigern. Damit liegt man auf Platz 13 von 57 Sparkassen in Westfalen-Lippe und auf Platz vier in Ostwestfalen-Lippe. Mit einem Betriebsergebnis von 0,85 Prozent der jahresdurchschnittlichen Bilanzsumme liegt man über dem Schnitt der Sparkassen in Westfalen-Lippe (0,81 Prozent). Als regionales Kreditinstitut ist man auch einer der großen Steuerzahler in der Region – in 2020 waren dies 10 Millionen Euro. „Das Jahr war zwar von der Pandemie geprägt, in wirtschaftlicher Hinsicht hat sich diese aber nicht wesentlich auf das Geschäftsergebnis unserer Sparkasse niedergeschlagen. Wir konnten im Jahr 2020 ein solides Ergebnis erzielen“, informierte Dabrock.

Erfolgsfaktor Mitarbeiter

„Unsere engagierten Mitarbeiter sind unser wichtigster Erfolgsfaktor. Das hat uns das vergangene Jahr wieder einmal deutlich aufgezeigt“, so Dabrock. Mit 495 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Sparkasse Lemgo einer der größten Arbeitgeber in Lippe. Die Aus- und regelmäßige Fortbildung nehmen einen hohen Stellenwert ein. Aktuell beschäftigt das Kreditinstitut 32 Auszubildende und es geht auch in diesem Jahr in die Ausbildungsoffensive: sechs weitere Ausbildungsplätze sind noch zu vergeben.

Seit 175 Jahren das Wesentliche im Blick

Richtig feiern konnte die Sparkasse Lemgo ihren besonderen Geburtstag im Jahr 2020 aufgrund der Pandemie leider nicht. Trotzdem gab es besondere Aktivitäten wie zum Beispiel die Jubiläums-Spendenaktion „Herzenssache“. Über 75 gemeinnützige Projekte wurden mit Beträgen von 500 Euro bis 1.500 Euro prämiert. Die Sparkasse Lemgo wird sich auch im Jahr 2021 für Lippe stark machen und die Gemeinschaft nachhaltig fördern.

Ausblick

„Wieder einmal hat sich gerade in einem herausfordernden Umfeld gezeigt wie wichtig wir als Sparkasse vor Ort für unsere Kunden und für die Region sind. Die Corona-Pandemie wird uns auch im Jahr 2021 fordern. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen sind heute noch nicht absehbar. Dennoch bin ich optimistisch, dass die Sparkasse und die heimische Wirtschaft aufgrund ihrer in der Vergangenheit gelegten guten Fundamente stark genug sind, die Krise gemeinsam erfolgreich zu meistern“, so Dabrock.

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