Die neue Einsamkeit Cover

Die neue Einsamkeit
Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können
Diana Kinnert, Marc Bielefeld
448 Seiten
Gebundene Ausgabe
Hoffmann und Campe
22,00 €

Jeder ist einsam. Der eine etwas mehr, die andere etwas weniger. Ganz viele Menschen sind extrem einsam, ohne dass wir oder sie selbst Notiz davon nehmen (wollen).

Das Buch Die neue Einsamkeit von Diana Kinnert ist so allumfassend wie erschreckend. Auf 448 Seiten macht die Autorin deutlich, dass wir uns auf dem Weg der vermeintlichen Selbstoptimierung kontinuierlich voneinander entfernen. Die Einsamkeit, die es immer schon gab, wird heute zum Trend und zum Massenphänomen. Weil wir individueller, effizienter und (für andere) schöner werden wollen. Was daraus entsteht, ist zunächst die Vereinzelung – und schließlich die Einsamkeit. Paradoxerweise können wir sogar in Gesellschaft hervorragend vereinsamen.

Die Folgen sind fatal. Nicht nur, weil verlassene Menschen tatsächlich einsam und ausgeschlossen sind. Sondern auch, weil Einsamkeit lebensgefährlich ist. Denn einsame Menschen leben ungesünder, sterben früher und lassen sich leichter für radikales und verqueres Gedankengut gewinnen. Wer gleich tickt, hat immerhin etwas, das verbindet …

Kinnerts Buch ist inhaltlich erschlagend und beängstigend zugleich. Wer sich an die Lektüre wagt, hat unweigerlich den Eindruck, wirklich alles über die Einsamkeit erfahren zu haben. Und doch lässt sich kaum etwas dagegen anrichten. Zu gewaltig sind die Mechanismen der entfesselten Ökonomie, die die Einsamkeit des Einzelnen fördern und befeuern. Mit Corona trat zudem genau zur rechten Zeit ein gefährlicher Brandbeschleuniger dieser Entwicklung auf den Plan. Glücklicherweise sieht die Autorin die Menschheit noch nicht ganz auf verlorenem Posten stehend. Ob uns allerdings eine Armee der Fühlenden retten wird, scheint fraglich.

Rainer Tautz

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