Szeneviertel: Dammstraße

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Mühlenteich um 1900. Hier wurde die Wäsche gewaschen. Rechts Dammstraße und städtische Mühle.

Genau gegenüber der alten Mühle an der Salze steht noch heute das eigentliche Wohnhaus der Salzufler Müller. Später dann beherbergte dieses Haus mehr als 100 Jahre lang einen Fuhrbetrieb. Wir sprechen von einem restaurierten Fachwerkbau, der in seinen Grundmauern noch aus dem 17. Jahrhundert stammt und dessen rekonstruierter Giebel den bekannten Grundsatz der Benediktinermönche ziert: Ora et labora. Dass dieser Satz allerdings in dieser Form gar nicht in der Regula Bendicti enthalten ist, ist eine andere Geschichte und würde an dieser Stelle viel zu weit von Salzuflen fortführen …

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Eine historische Luftaufnahme mit der Dammstraße im Vordergrund...

Zurück aber zu dem Haus: Heute verwöhnt hier das Restaurant „Zum Salzsieder“ die Gäste mit bayerischen Spezialitäten und einem lauschigen Biergarten an der Salze.

Blickt man nun von dort in die Dammstraße, so ist das Bistro „Damm 9“ heute das einzige erhaltende Fachwerkhaus im oberen Bereich der Straße. Noch bis in die 70er- und 80er-Jahre standen hier deutlich mehr Fachwerkhäuser, zum Teil mit wunderschön verzierten Renaissancegiebeln, die jedoch zumeist alle der zu Beginn der 1970er Jahre begonnenen „Flächensanierung“ zum Opfer fielen. Im Zuge einer „Wiederentdeckung“ der Salze wurde auf der Freifläche gegenüber vom „Damm 9“ viel Grün zurück geschnitten, so dass man jetzt von hier aus einen schönen Blick entlang des Flusses genießen kann. Auch hier zeigt sich, das Salzuflen eine grüne Stadt ist. Von der Brücke aus kann man gleichzeitig auch den steilen Anstieg zur Stadtmauer hinauf blicken, doch wir wenden uns heute in Richtung Innenstadt.

Eine „Flächensanierung“ ganz anderer Art wurde gleichzeitig auf dem zugeschütteten Mühlenteich durchgeführt. Wo heute das „Kurpark-Center“ mit seinen Geschäften und Wohnungen die Dammstraße prägt, befand sich ursprünglich der Teich, dessen Wasser die Mühle antrieb. Nachdem dieser zugeschüttet war, erstreckte sich bis zur Konzerthalle (also auch anstelle des heutigen Kurgastzentrums) ein großer Parkplatz für die Besucher unserer Stadt sowie eine Grünfläche. Direkt neben dem heutigen Center stand früher das alte Spritzenhaus der Salzufler Feuerwehr mit seinem Turm zum Aufhängen und Austrocknen der Schläuche. Wer sich an dieser Stelle einmal umschaut, wird schnell erkennen, dass die Feuerwehrleute damals wie heute in den oft engen Salzufler Straßen geübte Fahrer sein mussten und müssen. Heute ist die Löschgruppe Salzuflen der Freiwilligen Feuerwehr übrigens am neuen Rathaus untergebracht, mit mehr Platz zum Rausfahren.

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... und die aktuelle Aufnahme machen die baulichen Veränderungen deutlich.


Wenige Schritte weiter lässt ein runder Bau den Betrachter kurz innehalten: Hier befand sich eine der ersten Tankstellen in Salzuflen und eine Autowerkstatt – heute kann man hier Licht für die eigenen vier Wände erwerben. Gegenüber lädt ebenfalls ein Biergarten zum Verweilen ein, vor und neben der „Kate“ wird seit Generationen gepflegter Gastlichkeit gefrönt. Und natürlich auch dem guten Gerstensaft.

Anders als bei der „Flächensanierung“ erging es dem Haus am anderen Ende der Dammstraße, kurz vor der Langen Straße: Im Jahr 1646 erbaut, der Vorgängerbau war ein Jahr zuvor abgebrannt, hat es als Geschäftsgebäude inzwischen so viele Umbauten erlebt, dass das ursprüngliche Haus des 17. Jahrhunderts kaum noch zu erkennen ist. So rahmen heute zwei Fachwerkhäuser am Anfang und am Ende eine Straße ein, die heute von „Neubauten“ dominiert wird, aber vor allem eine eingeschworene Einzelhändlergemeinde aufzuweisen hat: Die Dammstraße lässt grüßen…

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