Stadtgeschichte(n): Als Bad Salzuflen sein hässlichstes Gesicht zeigte

Am 9. November vor 75 Jahren erreichte die Verfolgung der Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland einen neuen, traurigen Höhepunkt: Als angeblich „spontaner Volkszorn” getarnt, wurden jüdische Geschäfte geplündert, Wohnhäuser angezündet und Synagogen geschändet.

Auch in Bad Salzuflen verwüsteten SA-Männer und ihre Unterstützer die Gotteshäuser in Mauerstraße und Aechternstraße. Während in Schötmar die Feuerwehr darauf achten musste, dass die Synagoge „kontrolliert” abbrannte, wurde der Fachwerkbau in der Mauerstraße so schwer beschädigt, dass er Tage später abgerissen werden musste. Die Kosten dafür wurden der Israelitischen Gemeinde zudem in Rechnung gestellt.

Nicht nur die Zentren des jüdischen Glaubens in Salzuflen und Schötmar waren dann in den Morgenstunden des 10. Novembers Ziel der Übergriffe: Zahlreiche Geschäfte und Privatwohnungen, in denen die 80 hier noch lebenden Juden wohnten oder die ihnen gehörten, wurden aufgebrochen und verwüstet. Mindestens acht Menschen wurden unter Vorwänden verhaftet und für mehrere Wochen ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Nach der begonnenen Entrechtung jüdischer Deutscher mit den Nürnberger Rassegesetzen hatte die Judenverfolgung in Nazi-Deutschland eine neue Dimension erreicht. Der geplante Terror der Pogromnacht wurde von den Salzuflern und Schötmaranern nicht unterstützt – aber auch nicht verurteilt. So heißt es in Berichten nach dem 10. November, „ein Teil der Bevölkerung soll dem Vernehmen nach die Aktion nicht billigen” und „eine besondere Anteilnahme (…) ist hier in keiner Weise festgestellt”.

Aber dem Ungeist der damaligen Zeit entsprechend wurden auch Äußerungen notiert wie: „Es wurden Ausdrücke laut, dass man lieber 100 oder 1.000 Juden hätte erschießen sollen.” Oder: „Jetzt werden wir wohl hier bald keine Juden mehr haben.” Eine Aussage, die sich bald auf das Schlimmste bewahrheiten sollte …

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