Stadtgeschichte(n): Als die Kleinbahn noch fuhr…

Ein Jubiläum hätte die Kleinbahn Herford-Vlotho in diesem Jahr feiern können – wenn es sie noch gäbe. So bleibt nur ein trauriges Datum übrig: Am 4. November 1962 wurde der Betrieb auf der Strecke vom Vlothoer Weserhafen über Exter, Loose und Salzuflen nach Herford eingestellt.

Dabei hatte die Geschichte recht positiv begonnen: 1900 eröffnete die Kleinbahn Herford GmbH ihre erste Strecke von Herford nach Enger und von Enger nach Wallenbrück. 1902 (also vor 100 Jahren) wurde die Strecke zunächst nach „Salzuflen Kurpark“ in Betrieb genommen, später die weitere Strecke bis Exter, 1903 war Vlotho erreicht – inklusive Anschluss an die Weserschifffahrt. Bad Salzuflen war durch drei Stationen an die Kleinbahn angeschlossen: Kleinbahnhof, Kurpark und Loose.

Der Betrieb auf der Schmalspur wurde zunächst im Personen- und Güterverkehr mit Dampfloks bestritten. 1928 fuhr der erste elektrisch getriebene Zug von Herford nach Vlotho. Die neuen Besitzer, die Elektrizitätswerke Minden-Ravensberg (EMR), hatten 1927 noch größere Pläne: Eine durchgehende elektrische Straßenbahnverbindung von Bünde über Herford und Salzuflen nach Schötmar sollte es geben, auch eine Verlängerung nach Melle war vorgesehen. Die Bielefelder Kleinbahn plante ihrerseits eine Strecke von Bielefeld über Heepen, Nienhagen und Schötmar nach Salzuflen. Doch in der Weltwirtschaftskrise 1929/30 blieb von den Plänen nur noch die Elektrifizierung übrig.

Im Zuge der Aufrüstung durch die Nationalsozialisten und des Rückgangs der Arbeitslosigkeit stiegen die Fahrgastzahlen deutlich und erreichten 1937 die Millionengrenze. In den Kriegsjahren fuhren sogar knapp vier Millionen Menschen mit der Kleinbahn.

Nach Kriegsende dauerte es nicht lang, bis zumindest Teilstücke wieder in Betrieb waren. Ab Juni 1945 gab es aber besondere Schwierigkeiten: Die englische Besatzungsmacht hatte ganze Stadtteile mit Häusern, Pensionen und Villen beschlagnahmt, um sie für das britische Hauptquartier in Deutschland zu nutzen. Diese Bereiche, etwa rund um Kurpark, Kurhaus, Wenken- und Parkstraße, waren mit Stacheldraht gesichert und Sperrgebiet. Doch die Kleinbahntrasse führte mittendurch, so dass die Bahn an den gesicherten Toren halten und zuweilen lange warten musste, bis sich der Posten bequemte, die Durchfahrt freizugeben.

Mit der Währungsreform kamen die ersten Rückgänge, parallel eingerichtete Buslinien und die allgemeine Motorisierung im Wirtschaftswunderland sorgten für einen weiteren Einbruch der Passagierzahlen. 1962 lief die Konzession zur Nutzung der Straßen in Lippe ab und konnte nicht verlängert werden. Dies bedeutete das Aus für die Kleinbahn und die Stilllegung im November 1962.

Die alte Trasse wurde recht schnell abgebaut, denn neue Pläne gab es schon an vielen Stellen: Das vielfach noch vorhandene Kopfsteinpflaster der Straßen wurde durch Teerdecken ersetzen (und die Straßen gleichzeitig verbreitert), auf dem Gelände des Kleinbahnhofs Bad Salzuflen baute man den heute noch vorhandenen Großparkplatz Herforder Straße und anstelle des Bahnhofs „Bad Salzuflen Kurpark“ steht heute das Parkhaus „Kurpark“. Die Trasse Richtung Innenstadt wurde als Flanierweg umgestaltet, die heutige Rat-Hasse-Promenade und Nussallee. Wer diesem Weg folgt, findet auch im Landschaftsgarten noch die Spuren der früheren Kleinbahn: Ein Fuß-Rad-Weg führt heute auf dem alten Bahnkörper nach Exter.

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