3 + 1 Fragen an Uli Borowka

Foto: Paul Ripke, Omundo Media

Foto: Paul Ripke, Omundo Media

„Volle Pulle”

Er war der härteste unter den Abwehrspielern. Wo Uli Borowka hingrätschte, wuchs lange kein Gras mehr. Ein Kämpfer, wie ihn sich jeder Trainer für die Defensive wünschte.

Als Spieler von Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen wurde Uli Borowka von seinen Fans gefeiert – in den Stadien Europas war er als Eisenfuß und Die Axt gefürchtet. Zweimal wurde er Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger, einmal sogar Europapokalsieger. Sechs Einsätze als Nationalspieler machten die Erfolgsgeschichte des gebürtigen Sauerländers perfekt.

Fast perfekt. Denn die Karriere von Uli Borowka hat auch eine dunkle Seite. Sein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker konnte er vor Fans und Öffentlichkeit lange verheimlichen. Erst zwei Jahre nach seinem Abschied aus der Bundesliga gelang ihm im Jahr 2000 der Ausstieg aus der Alkoholsucht.

2011 entschloss er sich, seine Geschichte gemeinsam mit dem 11-Freunde-Redakteur Alex Raack aufzuschreiben. Im Oktober 2013 erschien das Buch Volle Pulle: Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker. Es hielt sich wochenlang in der SPIEGEL-Bestsellerliste. Heute wirbt Uli Borowka in Talkshows, Lesungen und in Diskussionen in Vereinen, Vollzugsanstalten und Kliniken für einen schonungslosen Umgang mit der Suchterkrankung. Zudem gründete er mit Freunden den Verein Uli Borowka Suchthilfe und Suchtprävention e. V.

Am 1. Oktober kommt Uli Borowka im Rahmen der Projektwochen der Stadtwerke Bad Salzuflen in die Schulaula Aspe. Wir haben ihm vorab bereits einige Fragen stellen dürfen.

Guten Tag Herr Borowka, ist Fußball immer noch ein Thema für Sie?
Ich bin zwar dem Fußball immer noch sehr verbunden, aber mittlerweile nur noch aus der Entfernung. Natürlich schaue ich mir noch regelmäßig an, was meine alten Vereine wie Borussia Gladbach oder Bremen machen, gerne auch manchmal im Stadion.

Wem empfehlen Sie den Besuch Ihres Vortrages am 1. Oktober?
Ich empfehle jedem den Besuch, ob Fußballer oder nicht. Denn jeder kennt oder hat in seinem Familien- oder Freundeskreis meist einen Suchtkranken. Die Zuschauer erwartet ein interessanter und schonungsloser Abend, weil ich nicht verschweigen werde, wie die Sachen rund um die Alkoholsucht wirklich sind.

Werden Fußballspieler heutzutage anders vor Alkoholsucht geschützt?
Das werden sie leider nicht. Auch nicht vor den Gefahren der Spiel- und Medikamentensucht, die heute genauso im Profisport vertreten sind. Nach wie vor wird versucht, die Problematik unter den Teppich zu kehren.

Wie bewerten Sie heute den Fußball, die Gehälter und Transfersummen?
Sie haben sich verzehnfacht, aber das ist grundsätzlich auch in Ordnung. Der Markt gibt es immerhin selbst her, da heute, besonders in England, astronomische Summen für die TV-Rechte der Fußballspiele bezahlt werden. Ohnehin ist das eine generelle Erscheinung. Schließlich steigen ja auch die Preise und Gehälter in der Wirtschaft extrem an.

Tickets für den Vortrag gibt es bei der LZ und bei den Stadtwerken (808 - 0).

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