6.11.2015 // Die Judenbank

Kur- und Stadttheater

Foto: ta

Ein Schauspieler, neun Rollen und unzählige Erkenntnisse. Das Stück Die Judenbank von Reinhold Massag brauchte nur 75 Minuten und einen fantastischen Peter Bause, um einen Freitagabend zu einem besonderen Erlebnis zu machen.

Was bedeutet Heroismus und Freigeistigkeit? Wie entstehen blinder Gehorsam, Opportunismus und Linientreue? Die kleine und tragisch-kurze Geschichte von Dominikus Schmeinta und seiner Bank zeigt in skizzenhaften Szenen, wie Hass und Denunzierung funktionieren. Gleichzeitig macht sie deutlich, wie schnell gesunder Menschenverstand, Empathie und Mitgefühl als Schwäche und Schwachsinn umgedeutet werden können – sobald sie die Legitimation willkürlicher Macht infrage stellen.

Im Mittelpunkt des Stückes steht die Figur des 65-jährigen Dominikus Schmeinta. Seit Jahren haben die Nationalsozialisten Schmeintas kleinen Heimatort Ottersdorf fest in der Hand. Der einzige Jude im Ort ist längst dem Irrsinn des Rassenwahns zum Opfer gefallen und trotzdem findet Dominikus an seiner Bank ein Schild vor: „Nur für Juden”.

Dominikus versteht die Welt nicht mehr. Er kann sich mit dem Verlust seines Lebensmittelpunktes, der Ungerechtigkeit und der unsinnigen Verschwendung seiner nicht genutzten Bank nicht zufriedengeben. So macht er sich auf, um gegen die Bürokratie einer Diktatur anzukämpfen, die längst im Kleinen und Kleinsten um sich gegriffen und Profiteure wie Dominikus‘ Neffen Roman – dem Bürgermeister des Dorfes – zu staatlich legitimierter Willkür verholfen hat.

In skizzenhaften Szenen und mit minimalster Veränderung des Bühnenbildes macht der fast 74-jährige Peter Bause das Publikum mit dem Umfeld der tragischen Figur
Dominikus Schmeinta bekannt. Während die Charaktere um ihn herum auf ihre eigene Art und Weise profitieren und denunzieren, verzweifeln und zerbrechen, geht Dominikus immer drastischere Wege, um sich Gehör zu verschaffen. Schließlich legt er Adolf Hitler selbst sein Anliegen schriftlich dar, um damit sein eigenes Ende zu besiegeln.

Peter Bause brillierte in einem Stück, das ein begeistertes und bewegtes Publikum zurückließ. ta

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