Stadtgeschichte(n): Kaiser’s Kaffee und Glühwein

Fotos: Sammlung Meinardus / Stadt Bad Salzuflen / Stadtarchiv

Selbst nicht mehr ganz so junge Salzufler kennen es noch: Kaiser’s (das mit dem Deppen-Apostroph) am Salzhof.

Dass die Geschichte des Unternehmens auf das Jahr 1880 zurückgeht, wissen dagegen nur die wenigsten. Damals trat Josef Kaiser als 18-Jähriger in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein, um aus einem Betrieb, der seinen Umsatz zunächst mit Hausiererei zusammenbrachte, eine Firmenimperium mit bis zu 1.900 Filialen zu machen.

Unternehmensname und -geschichte gehen dabei tatsächlich auf den späteren Namen Kaiser’s Kaffee zurück, denn ab 1882 wurde in Viersen Kaffee geröstet, was die Hausfrauen vor der Jahrhundertwende meist noch selbst zu Hause erledigen mussten. 1885 wurden die ersten drei Filialen gegründet, 1887 sogar eine in der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Im Jahr 1900 wurde schon die 500. Filiale eröffnet, ab 1904 erhielt die Firma das Logo mit dem Kaffeekannengesicht. Vermutlich lässt sich die erste Niederlassung von Kaiser’s Kaffee am Markt in Bad Salzuflen auf vor 1904 datieren, wie die oben gezeigte, und 1908 gestempelte Karte belegt.

Nach dem Höchststand von 1.900 Filialen im Jahr 1939 begann die Nachkriegszeit mit dem Wiederaufbau Knapp 40 Prozent der Niederlassungen in deutschen Städten waren im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Obwohl Bad Salzuflen nicht bombardiert wurde, zeigt das zweite Bild (vermutlich aus den 1950ern) die Filiale in der Osterstraße, neben Foto Biesemeier. Den Nutzen guter Werbung hatte man damals offensichtlich schon verstanden. Nachdem Kaiser’s seinen Kaffee – und viele andere Dinge des täglichen Bedarfs – bis Ende der 1960er in der Osterstraße verkaufte, zog die Filiale später in die Lange Straße um.

In Bad Salzuflen wurde Kaiser’s mit der Erfindung des Glühweintrinkens an Heiligabend legendär. Vor die Tür am Salzhof stellte Filialleiter Walter Biallas zwei Glühweinkocher auf einen Campingtisch, um den Becher Glühwein zum Pfennigbetrag für einen guten Zweck zu verkaufen – eine seitdem andauernde Tradition war geboren. Eine Tradition, an der sich selbst die (wirklich) jungen Salzufler heute noch alljährlich erfreuen …

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