Stadtgeschichte(n): Wie ein halbes Stadtviertel verschwand

Dammstraße nach dem Abriss der Untere MÜhlenstraße in den 1980er Jahren

Dammstraße nach dem Abriss der Untere Mühlenstraße (1980er) // Foto: Stadtarchiv

Wer heute durch die Steege flaniert, wird sich vielleicht kaum vorstellen können, dass er eigentlich durch das alte Flussbett der Salze schlendert. Und vermutlich ebenso wenig, dass die Salze heute dort entlang plätschert, wo vor 45 Jahren noch Häuser standen. Geblieben ist der Name der alten Straße: Untere Mühlenstraße. Doch nur noch wenig erinnert an die kleine Kopfsteinpflasterstraße entlang der Salze.

Untere Mühlenstraße in den 1920er Jahren

Die Untere Mühlenstraße in den 1920er Jahren // Foto: Stadtarchiv

Der Teil um den Hafermarkt ist tatsächlich der älteste der Stadt, auch die beiden Mühlenstraßen (Obere und Untere) gehören dazu. Ursprünglich verlief die Untere Mühlenstraße durch die heutigen Biergärten von Salzestuben, Stadtgespräch und PapperlaPub. Rechts und links standen Fachwerkhäuser, in denen teilweise stadtbekannte Salzufler aufwuchsen. Doch die Lage an der Niederung, unmittelbar am Fluss, barg einige Gefahren: Denn zu der damals noch alljährlich stattfindenden Schneeschmelze und bei starkem Regen schwoll die Salze an und trat über ihre flachen Ufer. Deshalb begann man schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit den Planungen für einen verbesserten Hochwasserschutz – allerdings durchkreuzten die beiden Weltkriege die Umsetzung der Konzepte. Erst Ende der 1960er wurden die Pläne zur Salze-Regulierung konkret. Neben einigen Rückhaltebecken (z. B. im Landschaftsgarten) rückte vor allem die Engstelle zwischen Dammstraße und Salzhof in den Fokus.

Salzestuben

Foto: Stadtarchiv

Zwischen der alten Mühle an der Brücke Dammstraße und dem heutigen gastronomischen Bermuda-Dreieck wurden in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre alle Gebäude abgerissen und die gesamte Straße entfernt. Übriggeblieben sind nur die heutigen Salzestuben.

Heute kaschieren Bruchsteinmauern die Spundwände, die die Salze in ihrem Bett halten. Während der Installationsarbeiten der Fernwärmeleitungen waren sie vor einiger Zeit mal wieder sichtbar. Sogar Autos parkten einst an der Salze. Und zwar dort, wo heute die Menschen in den Biergärten sitzen.

Widerstand gegen den Abriss eines halben Stadtviertels regte sich damals eher wenig, denn der dringend benötigte Hochwasserschutz hatte Vorrang. Beim Blick auf alte Ansichten der Unteren Mühlenstraße stellt man jedoch fest, dass hier leider etwas Unwiederbringliches verlorengegangen ist – auch wenn die heutige Situation vor Ort viel einladender ist. Und mit der Millau-Promenade zudem die erste direkte Verbindung zwischen der historischen Altstadt und dem Kurviertel entlang der Salze geschaffen wurde.

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