Der Zeremonienmeister: Interview mit Daniel Berkemann

Foto Daniel Berkemann in der Salzufler Unterwelt

Daniel Berkemann betreibt gemeinsam mit Thomas Daubel Escape Rooms in den Katakomben des Salzufler Bahnhofs // Foto: ta

Wenn es im Bahnhof darum geht, ein Konzert mit dem besten Sound und dem idealen Licht auszustatten, ist Daniel Berkemann nicht weit. Als technischer Projektleiter ist er immer dann zur Stelle, wenn Künstler wie Max Mutzke, Roachford oder Dietmar Wischmeyer auf der Bühne stehen – auch bei Auswärtsgastspielen. Seit Mai diesen Jahres macht Berkemann gemeinsam mit dem Bahnhofsinhaber Thomas Daubel auch die Salzufler Unterwelt erlebbar.

Moin Daniel, seit rund einem halben Jahr sperrt ihr Menschen in die Katakomben des Bahnhofs ein, damit sie sich rätselnd wieder befreien. Deine Zwischenbilanz …
Zunächst muss ich richtigstellen, dass wir niemanden einsperren, selbst wenn er oder sie dafür bezahlen würde (schmunzelt). Zwar betreiben wir einen sogenannten Escape Room, doch mit Flucht oder Befreiung hat das Ganze nichts zu tun. Unser Ansatz des Escape Games unterscheidet sich grundlegend von vielen anderen dieser Art. Unsere Rätsel basieren auf Geschichten, die unsere Besucher zu Ende erzählen müssen. Und das, indem sie die Rätsel entschlüsseln, die sich in der Geschichte und in den Räumlichkeiten verstecken.

Zurück zur Frage nach der Bilanz.
Als wir vor rund vier Jahren damit begonnen haben, uns überhaupt mit der Idee eines Escape Rooms für Bad Salzuflen zu befassen, hatten Tom (Daubel) und ich bereits ein gutes Gefühl. Wir glaubten, dass dieses Konzept nicht nur in den Großstädten, sondern auch in Bad Salzuflen funktionieren kann. Allerdings war uns auch klar, dass unser Escape Room in mancher Hinsicht noch besser sein müsste, als viele andere. Umso mehr haben wir uns darum gekümmert, dass die Rätsel abwechslungsreich genug sind, wir eine außergewöhnliche Atmosphäre schaffen und sich unsere Gäste auch vor und nach dem Rätseln rundum wohlfühlen. Dass uns die Umsetzung recht gut gelungen ist, zeigen wohl auch die durchweg positiven Resonanzen und die hohe Anzahl der Buchungen. Um also endlich auf deine Frage zurückzukommen: Es läuft großartig!

Und deswegen habt ihr im November den zweiten Spielraum eröffnet?
Von Anfang an stand fest, dass wir mindestens zwei Räume bespielen werden. Aber wir wollten uns nicht gleich übernehmen. Wir wollten Erfahrungen sammeln, lernen und alles weiter optimieren. Außerdem benötigen zwei Räume auch mehr Personal, das eingewiesen und geschult werden muss. Mittlerweile haben wir eine tolle elfköpfige Unterwelt-Truppe zusammen, so dass wir ab Januar sogar schon morgens Gruppen und Teams spielen lassen können – in beiden Räumen.

Kommen wir zu diesen Gruppen, für wen ist die Unterwelt gemacht?
Für jeden, der Spaß am Spielen und Rätseln hat. Eine Zielgruppe gibt es eigentlich nicht, nur ein Mindestalter von 14 Jahren. Jüngere Kinder können in Begleitung erwachsener Mitspieler auf die Rätseljagd gehen. Jeder ist willkommen und ganz bestimmt auch begeistert, wenn er das Rätsel mit seiner Mannschaft gelöst hat. Viele Firmen nutzen die Unterwelt für Teambuilding-Events, bis zu 14 Personen können gleichzeitig in den zwei Räumen spielen. Weitere Personen können in unserer Unterwelt-Lounge auf ihren Einsatz warten. Auf Wunsch inklusive Bewirtung.

Wie geht es weiter mit der Unterwelt? Mehr Spielräume habt ihr ja nicht …
Genau deshalb geht es schon bald nach draußen an die frische Luft. Zurzeit entwickeln wir tatsächlich ein Outdoor-Adventure-Game, das die Spieler kreuz und quer durch Bad Salzuflen schicken wird. Im weitesten Sinne kann man es sich wie eine Kombination aus interaktiver Stadtrallye und Schnitzeljagd vorstellen. Ein Wahnsinnsspaß, im Mai werden wir sicher soweit sein.

Kommen wir noch kurz auf dich zu sprechen. Die Salzufler Unterwelt ist deine Idee – bist du selbst auch ein Spiele- und Ratefreak?
Eigentlich war ich das nie. Doch mein erster Besuch in einem Escape Room – das war in Berlin-Kreuzberg – hatte mich fasziniert. Ansonsten treibe ich in meinen freien Stunden gern Sport. Beim TTC Retzen bin ich im Tischtennis-Team und bei der TG Herford spiele ich Poolbillard. Früher habe ich auch noch Snooker gespielt – das sogar in der Zweiten Bundesliga.

Und dann ist da auch noch die Musik!
Stimmt. Die hat mich auch schon immer interessiert. Im Bahnhof bin ich seit elf Jahren für den Sound, das Licht und auch die übrige Technik zuständig. Als Projektleiter fungiere ich als Bindeglied zwischen dem veranstaltenden Bahnhofsteam und den Künstlern. Auch das macht natürlich Riesenspaß.

Auch wenn manche Künstler sicher nicht einfach sind, oder?
Richtig! Die meisten sind allerdings äußerst nett und sehr dankbar, wenn sich jemand darum kümmert, dass sie gut rüberkommen. Wir tun das, und das verbindet. Viele Künstler kommen seit vielen Jahren immer wieder in den Bahnhof. Und das, obwohl unser Saal wesentlich kleiner ist, als die meisten Locations, in denen die Bands und Musiker üblicherweise auftreten. Das sagt auch einiges.

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