Saubere Arbeit: Interview mit Gerhard Moritz

Foto Gerhard Moritz

Liebt seine Heimatstadt Bad Salzuflen, ebenso wie seinen Berufsstand: Gerhard Moritz im Salzstreuner-Interview // Foto: ta

Gerdchen Moritz wurde vor rund 44 Jahren in Lemgo geboren. Er ist stolzer Vater von zwei Kindern und glücklich verheiratet. Seine Schuhgröße ist 42, doch statt Schuhe sammelt er lieber Single Malt Whiskys. Der Inhaber des Reinigungsunternehmens ADRETT liebt seine Heimatstadt Bad Salzuflen, ebenso wie seinen Berufsstand. Obwohl er beteuert, keinen Putzfimmel zu haben, dreht sich doch vieles in seinem Leben um das Thema Reinigen.

Hallo Gerdchen, eine Frage vorweg: Warum eigentlich Gerdchen?
Weil ich genau wie mein verstorbener Vater Gerhard heiße. Papa wurde Gerd und ich wurde schon immer Gerdchen gerufen. Eigentlich ganz logisch und clever, oder?

Nicht nur dein Name, sondern auch dein Putzfimmel ist dir in die Wiege gelegt worden. Richtig?
Ja und nein. Richtig ist, dass ich schon als kleiner Junge in der Reinigungsfirma meiner Eltern mitgeholfen habe. Ich durfte zum Beispiel die Wischbezüge in die Waschmaschine stecken. Auch am Küchentisch gab es oft nur ein Thema: Die Reinigung. Falsch dagegen ist, dass ich einen Putzfimmel geerbt und weiterentwickelt habe. Bügeln mag ich viel lieber. Mit einem Hörspiel der drei Fragezeichen im Hintergrund ist das für mich die reinste Entspannungsübung.

Und doch führst du heute keinen Bügelservice, sondern ein Unternehmen für Gebäudereinigung.
Genau. Ich mochte und mag den Beruf ja auch sehr. Leider kommt ihm, anders als in anderen Ländern, nur selten die Anerkennung zu, die er eigentlich verdient. Das Reinigen von Flächen und Gebäuden ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die immer höhere Anforderungen an mein Team und mich stellt. Verantwortungsvolles Reinigen bedeutet nicht nur Putzen.

Wie hast du dich selbst fit für den Beruf gemacht?
Durch viel Arbeit, ein Studium und zusätzliche Qualifikationen. Neben und nach dem Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur für Reinigungs- und Hygienemanagement habe ich mich zum Schädlingsbekämpfer und staatlich geprüften Desinfektor weitergebildet. Dazu habe ich einige Jahre auf der anderen Seite der Gebäudereinigung gearbeitet – bei einem großen Hersteller für Reinigungsprodukte. Ansonsten studiere ich aufmerksam die Fachliteratur und tausche mich mit Kollegen aus. Den Rest erledigt der Alltag, der immer neue Herausforderungen bietet.

Du sprichst die Herausforderungen an – wie haben die sich in den letzten Jahren verändert?
Der gesamte Aufwand ist beträchtlich größer geworden. Neue Materialien und Mittel sind hinzugekommen, die Arbeitsschutzvorgaben wurden verschärft, die Lagerung der Reinigungsprodukte wurde reglementiert und der Datenschutz wurde mit großem bürokratischen Aufwand komplett neu geregelt. Früher hieß es Vertrauen, heute heißt es Datenschutz.

Durch deinen Beruf bist du selbst sicher mit allen Wassern gewaschen. Gibt es etwas, wovor du dich ekelst? Spinnen zum Beispiel?
Ich mag Spinnen. Es sind Nützlinge, die man weder im Haus noch im Garten töten sollte. Und zum Thema Ekel: Ich habe schon vieles gesehen, weggemacht und gereinigt. Auch der Geruch dazu stört mich nicht mehr wirklich. Wer einmal eine Messie-Wohnung gereinigt hat, wovon es leider immer mehr gibt, der weiß, was ich meine. Schade, dass es noch kein Geruchsfernsehen gibt. Wäre es so, würden die vielen Trash-TV-Formate, die sich genüsslich auf die Messie-Schicksale stürzen, wohl längst nicht mehr so erfolgreich laufen.

Kommen wir zu deinem Privatleben. Hast du eines?
Dank meiner fantastischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe ich tatsächlich ein Privatleben.
Und das verbringst du mit Bügeln und Hörspielen?
Nein, da fällt mir was Besseres ein.

Zum Beispiel?
Zum Beispiel Basketball spielen. Ich liebe den Sport und trainiere eine Jugendmannschaft beim TVE Eintracht Bad Salzuflen. Wäre ich nicht in den Betrieb meiner Eltern eingestiegen, wäre ich gern Profi-Basketball-Spieler geworden (schmunzelt). Allerdings würde ich diesen Beruf heute mit meinen 44 Jahren auch nicht mehr ausüben können.

Clever kombiniert: Bist du ein Kopf- oder ein Gefühlsmensch?
Manchmal ist die Zunge schneller als der Kopf. Aber ich arbeite daran.

Schon wieder Arbeit? Gibt es Filme oder Songs, bei denen du deine Pflichten mal komplett vergisst?
Oh ja, bei der Musik von Queen, den Manic Street Preachers, Bon Jovi und den Chili Peppers zum Beispiel. Richtige Lieblingsfilme habe ich nicht. Bei Büchern wäre die Antwort klarer.

Wenn dein Leben ein Buch wäre, welchen Titel würde es tragen?
Reinigen ist nix für Feiglinge!

Und wenn du ein Buch über die aktuelle Zeit schreiben würdest?
Reinigen ist nicht Putzen!

Okay, du hast gewonnen …

Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, ich akzeptiere die Hinweise zur Verarbeitung meiner Daten in der Datenschutzerklärung *.