Foto von Marc Zappe
Marc Zappe , Inhaber von Marcs RadKulTour. // Foto: Rainer Tautz

In der Dammstraße eröffnete Marc Zappe vor wenigen Tagen sein Fahrradgeschäft Marcs RadKulTour. Mit dem neunzig Quadratmeter großen Ladenlokal erfüllt sich der 41-jährige Salzufler selbst seinen Jugendtraum, den er zeitweise aus den Augen verloren hatte. Denn auf Mofas und Mopeds konnte Marc Zappe in den 1990er-Jahren locker verzichten. Das Glück dieser Erde lag für den Teenager auf dem Sattel eines Fahrrades. Mit der Volljährigkeit gerieten allerdings zwei zusätzliche Räder in das Blickfeld des Salzuflers. Das Auto löste das Fahrrad ab – nicht nur unterwegs, sondern auch beruflich. Zappe widmete sich fortan voll und ganz dem vierrädrigen Kraftfahrzeug. Dafür verließ er auch Bad Salzuflen und wanderte zeitweise nach Niedersachsen aus. Recht spät, aber nicht zu spät, vollzog Marc Zappe eine berufliche Vollbremsung, um zu seiner alten Leidenschaft zurückzukehren. Gut für die Innenstadt.

Hallo Marc, bereits seit Herbst stehen deine Bikes in den Startlöchern. Und seit einigen Wochen darfst du endlich auch verkaufen. Ein Start auf der Buckelpiste, oder?
Zumindest ein anderer als der, den ich mir vorgestellt hatte. Allerdings sehe ich diese verzögerte Neueröffnung meines ersten eigenen Geschäfts nicht ganz so dramatisch. Denn neben Corona gibt es für Fahrradhändler wie mich zurzeit viele weitere Herausforderungen zu meistern. Ich habe die vergangenen Wochen genutzt, um mein Angebot zu komplettieren und meinen Laden so vorzubereiten, dass ich loslegen kann, wenn ich loslegen darf.

Von welchen Herausforderungen sprichst du? Die mangelnde Nachfrage kann es nicht sein …
Das stimmt. Fahrräder sind angesagt und E-Bikes erst recht. Die Herausforderung besteht daher auch vor allem darin, die Wünsche der Kunden mit einem guten Angebot erfüllen zu können. Hätte ich, wie ursprünglich geplant, im vergangenen November die Türen meines Geschäfts geöffnet, hätte ich nur zwei Fahrräder anbieten können. Mehr waren einfach nicht zu bekommen. Fast alle Fahrradhändler hatten dieses Problem des Nachschubs. Und ich als Neuling stand bei den Herstellern bestimmt nicht ganz oben auf der Liste.

Fahrräder
Rund 80 Räder stehen bisher zur Auswahl.

Wenn man sich heute in deinem Geschäft umsieht, hat sich seit dem Herbst allerdings einiges getan …
Das ist richtig. Rund achtzig Fahrräder biete ich aktuell zum Kauf an. Zudem habe ich weitere Bikes bestellen können, die im Laufe des Jahres nachgeliefert werden. Für jeden Wunsch und für jede Zielgruppe habe ich das passende Fahrrad im Angebot.

Dein Geschäft hast du Marcs RadKulTour getauft. Da schwingt eine Menge Anspruch mit …
Diesen Anspruch habe ich nicht nur an mein hochwertiges Sortiment. Auch der Service und der Umgang mit den Kundinnen und Kunden soll ein besonderer sein. Zu der Beratung wird es auf Wunsch auch immer eine Tasse Kaffee oder ein kaltes Getränk geben. Fahrradfreundinnen und -freunde dürfen sich in meinem Laden wohlfühlen – auch wenn sie nicht wegen eines Kaufes oder einer Reparatur gekommen sind. Meine Leidenschaft ist das Fahrradfahren – und die teile ich gern mit Gleichgesinnten.

Seit wann besteht diese Leidenschaft fürs Fahrrad?
Eigentlich schon seit meiner frühen Jugend. Das verdanke ich auch meinen Eltern. Denn wenn ich als Jugendlicher nach Bielefeld, Herford oder Lemgo wollte, dann hieß es ihrerseits meist: Fahr mit dem Fahrrad! Aus der Last der Kilometer wurde schnell die Lust am Fahrradfahren.

Die du nun über Umwege zu deinem Beruf gemacht hast?
Genau. Wobei meine berufliche Laufbahn sogar mit den Fahrrädern begann. Mit circa 16 Jahren habe ich in meiner Freizeit bereits bei der Salzufler Firma Wanted Bikes gearbeitet. Ich habe Räder repariert und auch schon verkauft. Später widmete ich mich dann meiner zweiten Leidenschaft – den Autos. Ich habe Kfz-Mechaniker gelernt, bin aber auf den Neuwagenverkauf umgestiegen. Eine ganze Weile hat mir das auch Spaß gemacht. Und ziemlich erfolgreich war ich auch. Doch der Verkaufsdruck wurde immer höher, sodass die Freude sowohl am Beraten als auch an den Fahrzeugen selbst immer weiter abnahm. Ich musste leider feststellen, dass ich gegen alle Widerstände noch einmal einen beruflichen Neuanfang wagen musste. Und da lag es sehr nahe, dass ich mich auf mein altes Hobby – das Fahrrad – fokussierte.

Fahrradhelme
Zubehör gibt es natürlich auch.

Das Hobby zum Beruf zu machen, ist aber dennoch ein mutiger Schritt.
Ja, das ist es. Aber was konnte mir Besseres passieren, als mich damit zu befassen, wofür mein Herz schlägt? Die handwerkliche Ausbildung und die kaufmännische Erfahrung machten es mir natürlich etwas leichter, meinen Traum zu verwirklichen. Zudem habe ich mich fachlich weiterqualifiziert, Kontakte geknüpft und die Branche beobachtet. Rund ein Jahr lang habe ich mich intensiv auf den Start vorbereitet.

Und wie läuft dieser Start bisher?
Schon sehr gut, wobei ich ja erst seit wenigen Wochen geöffnet habe. Per Telefon, Facebook oder E-Mail kommen jeden Tag viele Terminanfragen rein. Manchmal klopfen die Kundinnen und Kunden auch einfach an das Schaufenster, um sich nach der Registrierung spontan im Laden umzusehen. Wenn sonst niemand da ist, ist das natürlich problemlos möglich. Eine telefonische Anfrage habe ich sogar aus Bayern bekommen. Über einen meiner Lieferanten hat man dort erfahren, dass ich einige Modelle im Angebot habe, die deutschlandweit schon ausverkauft sind.

So kann es weitergehen …
Ja, fürs Erste ist das schon mal nicht schlecht. Da das Thema Fahrrad aktuell boomt, und das sicher auch noch länger so bleiben wird, schaue ich zuversichtlich in die Zukunft. Ohnehin sind meine Ziele für den Laden ambitioniert, aber nicht übertrieben. Ich möchte vor allem Spaß an den Rädern, an der Beratung und an der Arbeit haben. Allein das zählt.

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