
Ein Rechtsanwalt mit gespaltener Persönlichkeit, der immer tiefer in kriminelle Abgründe gerissen wird, seine coole von ihm getrennt lebende Ehefrau, ein durchgeknallter Psycho-Coach, der das innere Kind propagiert … das sind nur einige der Charaktere, die von den drei Schauspielern mit turbulentem Leben erweckt werden.
Die Konzerthalle war gut gefüllt. Zum einen lag es sicherlich daran, dass das Stück das erste der neuen Saison war, zum zweiten an Karsten Dusses Buchvorlage. Der Vorgänger „Achtsam morden“ avancierte 2020 zum Bestseller mit Millionenauflage. Das war vielleicht auch gleich der einzige Kritikpunkt dieses fulminant und fast schon überdreht in Szene gesetzten Theaterstücks: Es baute auf den Vorgänger auf, sodass es für die Zuschauer, die „Achtsam morden“ nicht gelesen oder als Theaterstück gesehen hatten, anfangs etwas anstrengend war, der Handlung zu folgen. Sowohl der schwerkriminelle Boris, der seit einem halben Jahr im Keller des Hauses gefangen gehalten wird, als auch die Tatsache, dass der Rechtsanwalt durch diverse Verstrickungen im Vorgänger unfreiwillig Geschäftsführer gleich zweiter Mafia-Clans geworden ist, musste erst mal nach und nach begriffen werden.
Die Schauspieler brillierten in ihren zahlreichen Rollen, wobei Ralph Opferkuch noch die wenigsten zu verkörpern hatte: als Rechtsanwalt Björn Diemel und als sein inneres Kind. Thomas Gerber brachte es gar auf neun Rollen, unter anderem als Psychiater, Krimineller und Hipster. Anne Diemer stand ihm kaum nach, wobei sie vor allem in ihrer Männerrolle als Sascha glänzte. Für Entertainment sorgte Ralph Opferkuch, als er direkten Kontakt mit dem Publikum aufnahm und sich mitten in seiner „Therapiestunde“ bis in die hinterste Reihe der weiträumigen Konzerthalle begab und die Zuschauer aufforderte, doch weiter nach vorne zu rücken.
Fazit: Ein turbulenter Theaterabend mit brillanten Schauspielern!
Uwe Voehl