Streusalz: Die Glosse im Mai

Wetten dass ..? wird abgesetzt, das Salzsiederfest abgesagt und Helmut Schmidt immer wunderlicher. Mit Schrecken muss man feststellen: Die 80er sind endgültig vorbei. Was haben wir versucht, uns daran festzuhalten, um den Geschmack von Multi-Sanostol und Ernte 23 nicht gänzlich aus dem Mund zu verlieren. Es bleibt nur die Erkenntnis: Es ist vorbei. Die Fußgängerzone mit der Schwarz-Weiß-No-Future-Optik ist schon zur Hälfte verschwunden. Die Holzimitate im Speisesaal der Klinik am Kurpark werden als Sondermüll auf den Abfallhaufen der Geschichte geworfen. Brunnensaufen? Verschoben, verboten, abgeschafft. Das kleine Gedeck? Bestellt man das heute in der Salzufler Gastronomie, wird man von der studentischen Aushilfskraft angeschaut, als hätte man ihr einen unsittlichen Antrag gemacht. Und wann hat man zuletzt einen frei fahrenden Manta in der Stadt gesehen?

Das Schrecklichste am Ende der 80er: Es folgen die 90er. Uns steht ein Boom des Privatfernsehens mit grandiosem Niveau-Limbo, die Erfindung des Internets und ein endloser Moloch an Kettenbriefen bevor. Also, schon mal den Ballonseidentrainingsanzug rausholen und die alte Bravo-Hits entstauben. Etwas Gutes hat die Sache aber auch: In den 90ern waren wir das letzte Mal Welt- und Europameister!

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