Stadtgeschichte(n): Geliebt, gehasst, geheim gehalten

Stadtgeschichte 51

Montage: © Salzstreuner

Über die Bad Salzufler Kurschatten.

Es ist das seltsamste Lebewesen in Bad Salzuflen und seit über hundert Jahren geliebt, gehasst und vor allem geheim gehalten: Der Kurschatten.

Alles über die abwechslungsreiche Geschichte dieser – mal männlichen, mal weiblichen – Spezies kann man derzeit in einer Ausstellung in der Wandelhalle erfahren. Den Kurschatten gab es schon immer: Begleitend zur ausschweifenden Badekultur im Mittelalter, als versteckt-romantisierendes Tête-à-tête während der Kur in der Belle Époque und natürlich in den Wilden Zwanzigern und der Wirtschaftswunderzeit. Hot Spots für Kurschatten waren in Bad Salzuflen vor allem die verschlungenen Wege des Kurparks wie etwa im Bereich des Lietholzes (unterhalb der gleichnamigen Straße) und die verschwiegenen Wälder von Asen- und Obernberg.

Angebändelt wurde in den zahlreichen Lokalen der Stadt: Im legendären Rheingold, in den Seeterrassen, in der Kurhaus-Bar und der Tanz-Scala. Dank modernster Kommunikationsmethoden, also der nicht minder legendären Tischtelefone, wurden die ersten Kontakte zwischen Damen und Herren an den zahlreichen Tischen geknüpft. Heikle Höhepunkte bei den amourösen Abenteuern der Kurenden waren die Besuche der jeweils besseren Hälften. Meist am Wochenende sahen die Mitarbeiter der Gastronomie denselben Herrn wie jeden Tag – nur dann mit einer anderen Dame in seiner Begleitung …
Ob und wie weit die Schatten zum Kurerfolg beigetragen haben, wissen nur die Beteiligten – in der Regel war nach sechs oder acht Wochen nicht nur die Kur vorbei. Allerdings gab es auch Happy Ends: So kam eine Dame immer wieder zur Kur, weil es ihr einer der Kellner angetan hatte. Nach einigen Jahren nahm sie ihn dann mit und heiratete ihn. Ob sie allerdings glücklich bis ans Ende ihrer Tage waren, ist nicht überliefert.

Die Ausstellung ist noch bis Ende September täglich in der Wandelhalle zu sehen. Am ersten Wochenende im Monat ist der Eintritt in den Kurpark übrigens frei. Und wer Kurschatten in freier Wildbahn sehen will, weiß bestimmt auf Anhieb, wo er danach in Bad Salzuflen suchen muss.

 

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