3+1 Fragen an Peter Raupach

Glashaus

Sitzt seit fast 30 Jahren im Glashaus: Peter Raupach. Foto: Reipke

Bring me the Disco King!

Das Glashaus hat sie alle überlebt: Peter Raupachs Diskothek (oder Club, wie man heute sagt) zählt ab dem kommenden Jahr selbst zur Ü30-Generation.

 

Peter, seit 1985 gibt es das Glashaus in Bad Salzuflen. Kannst du dich daran erinnern, wie alles begann?
Und ob! Ich habe lange nach dem perfekten Standort gesucht, an dem ich meine Diskothek eröffnen wollte. Mit meinem roten Renault 4 habe ich die ganze Umgebung abgeklappert, bis ich endlich die alte Fabrikhalle vor den Toren der Stadt gefunden habe. Für mich der perfekte Standort, weil er von Bad Salzuflen und Schötmar gleichermaßen gut zu erreichen war. Außerdem hatte das Gebäude an sich bereits einen eigenen, industriellen Charme. Die zur damaligen Zeit wie Pilze aus dem Boden schießenden, aalglatten Fun Factories in Einkaufszentren und Shopping-Malls gefielen mir nicht. Das Glashaus sollte etwas ganz anderes sein.

Und wurde es ja auch. Wie war es mit dem Erfolg? Gingen die Gästezahlen gleich durch die Eierpappendecke?
Keinesfalls. Leider blieben die Zahlen weit hinter den Erwartungen zurück. Und hinter dem, was erforderlich war, um den Diskothekenbetrieb aufrecht zu erhalten. Hinzu kam, dass nur ca. 14 Tage nach der Glashaus-Eröffnung in Herford der Go Parc! aufmachte und alle erst einmal dorthin rannten. Nicht gerade beruhigend, wenn man einen Mietvertrag mit zwölf Jahren Laufzeit abgeschlossen hat.

Aber der Erfolg stellte sich dann doch ein. Wie kam es dazu?
Jede Phase des Glashaus hat ihre eigene Geschichte. Damals war es so, dass wir mehr und mehr von der Alternativen Szene beachtet wurden. Die Musik, die wir freitags und samstags auflegten, war nicht festgelegt auf einige wenige Stilrichtungen; im Glashaus wurde von Alternative bis Pop, von Soul bis Punk alles gespielt. Drastisch und mit den Vokabeln der 80er ausgedrückt, könnte man sagen, dass im Go Parc! die Popper und bei uns die Punker oder Alternativen waren – allerdings auch die Normalos, die einfach einen schönen Abend mit Freunden feiern wollten. 1986 haben wir für die etwas härtere Fraktion dann auch noch den Donnerstag mit hinzugenommen.
Im gleichen Jahr starteten wir dann auch mit den Live-Konzerten. Die erste Band war Fritz Brause, die damals im Radio hoch und runter gespielt wurde und bei uns noch nicht einmal eine richtige Bühne vorfand. Später spielte dann sogar der Weltstar Bill Withers im Glashaus – das war für mich einer der größten Momente als Diskothekenbetreiber.

Wie ging es weiter?
In den frühen 90er-Jahren war das Glashaus eines der ersten Häuser deutschlandweit, in die die Technowelle hineinschwappte. Die Menschen kamen sogar aus München, um beim Salina Rave dabei zu sein. 1997 erfolgte dann der große Umbau. Seit 2010 gibt es im Glashaus die große Ü30-Party. Während andere Diskotheken dieses Motto wieder in die Mottenkiste verbannen, läuft es im Glashaus mit ungebremstem Erfolg. Auch unsere 80er-Party hat mittlerweile Fuß gefasst und sich zu einer eigenständigen Veranstaltung mit Stammpublikum entwickelt. Im Oktober versuchen wir wieder etwas, wovon viele andere Läden heute die Finger lassen: Funk und Soul. Das wird bestimmt was!

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