3 + 1 Fragen an Mario Renna

Die Männer für alle Fälle:

Schlüssel, Schuhe und Taschen, dazu unzählige Verschlüsse, Stoffe und sogar einige Bücher: Wenn man Mario Renna in der kleinen Werkstatt in Schötmars Schloßstraße besucht, könnte man meinen, hier bastelt der Weihnachtsmann gerade an den letzten Geschenken für die kommende Bescherung. Doch weit gefehlt: Zwar

Foto: ta

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würde der Italiener mit der dunklen Stimme und dem weißen Bart perfekt auf einen Schlitten und hinter ein Rentiergespann passen, doch Mario Renna hat nicht vor, sich beruflich auf neue Pfade zu begeben – im Gegenteil.

Herr Renna, Sie sagten, wir hätten Glück, Sie hier anzutreffen. Warum?
Weil ich mich aus dem Berufsleben bald endgültig verabschieden werde. Nach 35 Jahren als Schuhmacher ist jetzt Schluss. Ich freue ich mich auf meinen Ruhestand. Gemeinsam mit meiner Frau möchte ich meine Rente genießen.

Viele Salzufler kennen Sie, Schötmaraner erst recht. Erzählen Sie uns von Ihrem Lebenslauf und Ihrem Werdegang als Schuster?
Haben Sie gerade Schuster gesagt? Ich bin kein Schuster, sondern Schuhmacher – diesen Beruf habe ich gelernt. Das war Ende der 1960er-Jahre; seit 1959 bin ich schon in Deutschland. Nach einigen Jahren als Angestellter habe ich mich vor 35 Jahren selbstständig gemacht – mit einer kleinen Werkstatt im ersten Marktkauf in der Otto-Hahn-Straße. Später bin ich dann in die damalige Kaufhalle gewechselt, und seit 25 Jahren bin ich in der Schloßstraße 36. Am 1. August dieses Jahres habe ich den Betrieb an Mehmet Görgin und seine Frau Katiba abgegeben. Ich schaue nur noch ab und zu nach dem Rechten – aber die beiden machen das gut.

Sie bieten Schuhreparaturen, Gravuren, Stempel und Schlüssel. Wie macht man diesen Job gut?
Natürlich erst einmal durch einwandfreie Arbeit. Außerdem gibt es da noch etwas anderes: Ich habe meine Kunden über die Jahrzehnte verwöhnt – und zwar sehr gern. Ich kann Ihnen versichern, dass kein Mensch aus dem Laden gegangen ist, dem ich nicht geholfen habe. Für jedes Problem habe ich eine Lösung gesucht, denn die gibt es immer. Konnte ich sie selbst nicht umsetzen, wusste ich aber, wer weiterhelfen konnte. Hier sind Menschen in die Werkstatt gekommen, die haben ganze Türen oder riesige Schrankkoffer reingeschleppt, weil ich ihnen einen Ersatzschlüssel dafür machen sollte. Andere suchten nach einem Stromstecker für italienische Steckdosen. Auch hier haben wir nach einer Lösung gesucht. Viele wollen auch nur eine Meinung hören oder einen Rat bekommen. Beides gab und gibt es hier immer gratis.

Muss man ein Alleskönner sein, um solch einen Werkstattbetrieb am Leben halten zu können?
Jedenfalls schadet es nicht. Ohnehin ist unser Angebot ja riesengroß. Durch den Umgang mit Maschinen und unterschiedlichen Materialien erlernen wir viele Fähigkeiten und Fertigkeiten, die uns zu Lösungen führen, die andere vielleicht gar nicht sehen. Auch Mehmet und seine Frau Katiba denken so wie ich. Und obwohl sie erst seit kurzer Zeit die Werkstatt führen, haben sie bereits mehrfach bewiesen, dass sie hervorragende Arbeit abliefern und viele Wünsche erfüllen können. Fast so viele wie der Weihnachtsmann …

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