Stadtgeschichte(n): Die Straßenbahnen von Salzuflen und Schötmar

Quelle: Stadtarchiv

Quelle: Stadtarchiv

Im Jahre 1909 machte der Verein der Badeinteressenten (ein Zusammenschluss von Salzuflern, die sich für das Heilbad stark machten) den Vorschlag, eine Straßenbahn zu bauen. Damit wollte man eine Verbindung für die Kurgäste schaffen, die per Staatsbahn am Salzufler Bahnhof ankamen und mit der Straßenbahn quer durch die Stadt zum Badehaus VI fahren konnten (heute Roter Platz). Der Vorschlag stieß auf große Resonanz Innerhalb weniger Tage kamen 35.000 Mark zusammen, mit denen das Projekt umgesetzt wurde.

Man entschied sich für eine Pferdebahn, weil nur ein Saisonbetrieb angedacht war. An beiden Seiten der Wagen war eine offene Plattform zum Ein- und Aussteigen angebracht. Über die Bahnhofstraße führten die Gleise ungefähr am heutigen ZOB vorbei und bogen dort in die Osterstraße ein. Über den Markt ging es dann Richtung Salzhof. Vor der heutigen LZ-Geschäftsstelle überquerte die Bahn die Salze auf einer kleinen Brücke; sie fuhr dann um die Post herum, in die Lange Straße. An deren Ende bogen die Gleise dann in die Parkstraße, sie führten fast bis vor den Uhrenturm. Ein Schuppen für die Wagen stand ungefähr dort, wo sich heute das Salinen Café befindet. Am 1. Juli 1909 wurde der Betrieb auf der 3,2 Kilometer langen Strecke aufgenommen. Für die nahe Zukunft plante man sogar die Elektrifizierung der Bahn, was der Erste Weltkrieg aber verhinderte.

In Schötmar wollte man nicht zurückstehen und eröffnete am 25. Juni 1912 eine eigene Straßenbahn, die zunächst vom Markt (vor der alten Post) über die Schlossstraße und die heutige Rudolph-Brandes-Allee nach Salzuflen fuhr – und hier die Gleise der Salzufler Bahn mitbenutzte. Später wurde die Strecke bis zum Bahnhof in Schötmar verlängert. Im letzten Geschäftsjahr vor dem Ersten Weltkrieg beförderten die beiden Bahnen zusammen rund 55.000 Fahrgäste bei eher bescheidenen Einnahmen. Im Ersten Weltkrieg, 1915, wurde der Betrieb der Schötmaraner Straßenbahn schließlich eingestellt – sie rentierte sich nicht mehr. Nach der Inflation der 1920er-Jahre war dann auch für die Salzufler Bahn Schluss: Zwischen 1924 und 1926 wurde der Betrieb auf Omnibusse umgestellt, die Schienen wurden bei den Straßenbauarbeiten der  folgenden Jahre entfernt.

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