Interview mit Jörg Obermeier

Zwischen Baum und Borke

Hoch über Bad Salzuflens Salzetal, zwischen Loose und Autobahn A2, sagen sich Bogey und Birdie gute Nacht. Denn bis in die dämmrigen Abendstunden hinein wird hier im und auf dem satten Grün geputtet, gepitcht und gechippt. Doch Golf ist hier längst nicht alles: Der Salzufler Jörg Obermeier führt seit acht Jahren das clubeigene Restaurant am Heerhof. Und obwohl das Haus auf Herforder Grund und Boden steht, zählen vor allem Bad Salzufler zu seinen Gästen. Wir haben ihn auf einen Cappuccino besucht …

Salzstreuner: Hallo Jörg, ganz schön viel Gegend hier oben …
Jörg: Ist das nicht herrlich?

Herrlich schon, aber für ein Restaurant auch etwas weit vom Schuss, oder nicht?
Das kann man sehen, wie man will. Unsere Gäste sehen es vor allem positiv und genießen die Umgebung mit ihren natürlichen Vorzügen.

Deine Gäste, das sind überwiegend  die Golfspielerinnen und Golfspieler des Vereins?
Nein. Rund 70 Prozent unserer Restaurantgäste haben mit dem Golfclub und dem -sport zunächst gar nichts zu tun. Allerdings kommt es durchaus vor, dass viele von ihnen nach einigen Besuchen unseres Restaurants auf den Geschmack kommen und mit einem Schnupperkurs den Einstieg in den Golfsport finden.
War es der Golfsport, der dich 2009 über die Stadtgrenze nach Herford gezogen hat?
Nein, absolut nicht. Aber ich habe in der Aufgabe, das Restaurant und Clubhaus des Vereins zu leiten, die Chance gesehen, in einem großartigen Umfeld etwas Tolles mit auf die Beine zu stellen. Sowohl der Verein als auch das Restaurant am Heerhof waren nicht in allerbester Verfassung, als ich 2009 die Leitung der Gastronomie übernommen habe. Gerade einmal 120 Mitglieder zählte der Verein, und die ersten Sommertage des Jahres 2009 habe ich tatsächlich nahezu allein hier oben verbringen dürfen – trotz Biergartenwetter und bester Golfbedingungen. Mittlerweile spielen wieder mehr als 350 Golfer auf unserer 9-Loch-Anlage, und ich komme hier in der Hauptsaison, also zwischen März und Oktober, kaum noch weg.

Und ab November liegst du dann hier in einem Sandbunker und hältst Winterschlaf?
Sehr witzig, aber Quatsch. Zwar wird es dann auf dem Golfplatz ruhig, aber der Restaurantbetrieb läuft auch in den Herbst- und Wintermonaten ungebremst weiter. Mit Abschlägen unter Flutlicht, Cocktail-Schulungen und Gesellschaften haben wir es geschafft, dass der Dezember zu unseren stärksten Monaten zählt. Allerdings sehe ich dann auch zu, dass ich die vielen Überstunden, die sich im Sommer ansammeln, etwas abbauen kann. Das bin ich vor allem meiner Familie schuldig, die mir 365 Tage im Jahr den Rücken freihält.

Du hast die Cocktail-Schulungen angesprochen. Mit diesen Mischgetränken fing alles an, oder?
Genau, vor 25 Jahren. Während meiner Ausbildung zum Restaurantfachmann habe ich die Bad Salzufler Koryphäe in Sachen Cocktails, Miloudi Bouslim, kennengelernt: Er war im selben Hotel wie ich beschäftigt. 1994 hat mich Miloudi auf die Cebit-Messe nach Hannover mitgenommen und mich dort ins eiskalte Wasser geschmissen – und plötzlich war ich Barkeeper. Den richtigen Schliff und viel Fachwissen habe ich mir anschließend im Rahmen einer Ausbildung an der Barschule Rostock geholt.
Auch während meiner Bundeswehrzeit habe ich weiterhin als Barkeeper und -mixer gearbeitet. Nach weiteren Stationen in der Räucher-Kate in Detmold sowie im Eisstübchen habe ich von 2002 bis 2009 erneut mit Miloudi zusammengearbeitet – zuletzt in seiner Miloudi´s Bar im Haus Backs.

Welchen Stellenwert haben die Cocktails heute für dich?
Immer noch einen sehr hohen. Natürlich haben wir im Restaurant eine erfrischende Cocktailauswahl auf der Karte. Zudem serviere ich weiterhin auf Veranstaltungen, Messen und Privatpartys. Auch Wettbewerbe reizen mich nach wie vor: Am 22. Mai nehme ich zum Beispiel an der Endrunde der Drinks Open 2017 teil. Ein Cocktailrezept von mir zählt zu den 40 besten, die eingereicht wurden. Und daher stehe ich in Konstanz im Finale.

Ein Lokal in Bad Salzuflen – würde dich das reizen?
Mit dem Heerhof bin ich näher an Salzuflen dran als an Herford. Insofern sehe ich mich als Herforder und Salzufler Gastronom. Hier, zwischen Baum und Borke, fühle ich mich pudelwohl. Und wenn mir die Stadtnähe fehlt, und so tolle Feste wie Bad Salz-uflen zapft an! oder Bad Salzuflen blüht auf! anstehen, komme ich runter und bin mittendrin, statt nur dabei.

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