Der Gedächtnistrainer – Interview mit Oliver Geisselhart

Foto Oliver Geisselhart

Ist durch seinen Onkel Gedächtnistrainer geworden: Oliver Geisselhart

Oliver Geisselhart ist Deutschlands führender Gedächtnis- und Mentaltrainer. Zahlreiche Unternehmen, aber auch viele Einzelpersonen greifen auf sein Know-how und seine Technik zurück. Seine Vorträge über die optimale Nutzung des eigenen Gedächtnisses fühlen sich häufig an wie Unterhaltungsshows. „Und das ist gut so”, behauptet Geisselhart. Denn das Lachen und das gute Gefühl sind für ihn der Klebstoff, durch den das Wissen im Gehirn haften bleibt. Am 16. November kommt Geisselhart auf Einladung der Stadtwerke Bad Salzuflen ins Kur- und Stadttheater. Wir haben ihn schon jetzt interviewt.

Wie kommt man dazu, Gedächtnistrainer zu werden?
Ich bin es durch meinen Onkel, Roland Geisselhart, geworden. Er war schon in den 70er-Jahren als Gedächtnistrainer unterwegs. Als ich zwölf Jahre alt war, fragte er mich, ob ich nicht mal an einem seiner Seminare teilnehmen wolle. Darauf antwortete ich, dass mir das Lernen in der Schule schon keinen Spaß mache. Aber dann fiel sein entscheidender Satz: Wenn du ein Seminar von mir besuchst, musst du nie wieder lernen. Und schon war ich mit Eifer dabei. Bereits mit 16 Jahren habe ich ihn bei einem Seminar vertreten, weil er verhindert war. Es lief fantastisch. Ich habe damals 600 Mark für einen Tag Arbeit bekommen und den begeisterten Teilnehmern einen sehr großen Mehrwert vermitteln können. Da wusste ich, dass ich das mein Leben lang machen werde. Seitdem habe ich mich ständig weiterentwickelt.

Wie sieht diese Entwicklung aus?
Heute mache ich nicht nur Gedächtnisseminare, sondern auch Mentaltrainings. Ich habe mich schon immer dafür interessiert, das gesamte geistige Potenzial eines Menschen herauszukitzeln. Das Unterbewusstsein spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wenn unbewusste Fähigkeiten und negative Programmierungen – z. B. aus der Kindheit – aufgedeckt werden, dann können sie auch auf das Positive und auf den Erfolg im Leben ausgerichtet werden. Das ist eine sehr spannende und lohnende Aufgabe.

Wer braucht ein Gedächtnistraining?
Sagen wir es so: Jeder könnte eines gebrauchen. Da uns ja leider die Schule nicht beibringt, wie wir unser Gedächtnis richtig benutzen und wie wir uns leicht die unterschiedlichsten Dinge merken können, klagt nahezu jeder über ein nicht ausreichend funktionierendes Gedächtnis. Denn besonders dann, wenn wir eine Information parat haben müssen, ist sie oft nicht da. Das kann ich ändern.

Mit wem haben Sie schon gearbeitet?
Mit sehr unterschiedlichen Menschen. Von den Promis wollen einige nicht genannt werden, aber alle freuten sich über den Erfolg, der sich recht schnell einstellte. Mit Jürgen Klopp habe ich gearbeitet, als er noch BVB-Trainer war. Auch Lutz Herkenrath, Markus Lanz und Carlo Thränhardt durfte ich meine Technik näherbringen. Mit Kaya Yanar stand ich gemeinsam auf der Bühne und auch Hans Meiser freut sich noch heute, wenn er mich sieht. Selbstverständlich zählen viele Menschen zu meinen Klienten, die auf den Punkt zahlreiche Informationen parat haben müssen. Weil sie beispielsweise oft live vor der Kamera stehen, so wie Schauspieler, Moderatoren und Nachrichtensprecher.

In Bad Salzuflen treten Sie gleich vor mehreren Menschen auf. Bringt das dem Einzelnen überhaupt etwas?
Aber sicher. Denn die Technik ist einfach, genial und tatsächlich direkt anwendbar. Schon während meines Vortrages wird sich jeder der Anwesenden innerhalb von fünf Minuten zwanzig neue Vokabeln merken können und zehn bis fünfzehn Namen. Auch Listen mit zehn und mehr Punkten wird jeder sicher im Kopf behalten und schnell wieder abrufen können. Der Unterhaltungsfaktor wird zudem sehr hoch sein. Denn Lernen muss Spaß machen. Gefühle sind für die Informationen im Gehirn so etwas wie Klebstoff. Meine Vorträge wirken daher wie eine bunte Unterhaltungsshow.

Können Sie sich selbst alles merken, was sie sich merken wollen?
Ja, in der Tat. Nur will ich mir ja gar nicht wirklich alles merken. Meine Frage heißt daher immer: Kopf oder Zettel? Tatsächlich macht es Sinn, sich manches nicht zu merken. Und das schreibe ich dann eben auf. So ist es beispielsweise für mich sehr wichtig, Reden, Vortrags- und Präsentationsinhalte frei draufzuhaben. Auch die Namen wichtiger Geschäftspartner, Kunden und Kollegen möchte ich immer sicher abrufen können. Hingegen kann ich meinen Tagesplan auch ganz entspannt elektronisch im Kalender abspeichern. Nur bestimmte Erledigungslisten merke ich mir auch wieder im Kopf. Vorrätig habe ich das Ganze so lange, wie ich es brauche. Dies lässt sich bewusst steuern.

Warum nutzen so wenige Menschen ihr vorhandenes Potenzial?
Weil sie es nie gelernt haben. Ich zeige den Menschen, wie sie vom Gedächtnisbesitzer zum Gedächtnisbenutzer werden. Es ist ganz einfach …

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