Stadtgeschichte(n): Villa Johanna

Außenansicht der Villa Johanna in den 1930er Jahren

Außenansicht der Villa Johanna in den 1930er Jahren // Foto: Stadtarchiv

Blickt man auf die riesige Brachfläche an der Parkstraße und der Sophienstraße, beginnt man zu Schaudern. Kaum vorstellbar, dass hier einst ein besonders schönes Exemplar einer Salzufler Kurvilla und später eine riesige Klinik standen.

Stadtplan von Bad Salzuflen aus den 1930er Jahren

Stadtplan von Bad Salzuflen, 1930er Jahre // Foto: Stadtarchiv

Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Villen an der Parkstraße gebaut wurden, setzte Johanne Hunecke auf diesem Grundstück einen markanten Schlusspunkt. Die Villa Johanna war mit ihrem parkähnlichen Gelände jedoch nicht als Privathaus oder Pension, sondern als Wohnheim geplant. Hunecke wollte „älteren verheirateten Personen weiblichen Geschlechts“ im Rahmen einer Stiftung ein Zuhause bieten. Durch ihren frühen Tod im Jahr 1896 erlebte sie die Fertigstellung nicht mehr, doch in ihrem Testament hatte sie schon weitergedacht.

Das Erbe sollte die Stadt Salzuflen erhalten, allerdings mit der Auflage, das Haus in ihrem Sinne zu führen. Sollte der Magistrat das Erbe mit dieser Auflage ablehnen, wäre es automatisch an die Stadt Lemgo gefallen. Diese subtile Drohung war vielleicht ausschlaggebend dafür, dass die Salzufler die Stiftung fortführten. Allerdings war das Haus Parkstraße Nr. 27 den Ratsherren für diesen Zweck wohl etwas zu prominent, weshalb die Villa Johanna schließlich als Pensionsbetrieb verpachtet und dann verkauft wurde. Die Erlöse flossen in die Stiftung, die letztendlich in der Wenkenstraße ein neues Zuhause fand, um dort die Grundlage für das heutige AWO-Feierabendhaus zu liefern.

Gartenansicht der Villa Johanna in den 1930er Jahren

Gartenansicht der Villa Johanna in den 1930er Jahren // Foto: Stadtarchiv

Die Villa Johanna blieb lange Jahre ein beliebtes Haus in der Parkstraße, allerdings mit wechselnden Pächtern. Mit seinem markanten Erker, dem Dachaufbau und den angebauten Balkonen unterschied sich das Gebäude deutlich von den Nachbarvillen. Die Stiftung von Johanne Hunecke – der Name Johanna war für die Villa wohl eine Abwandlung ihres Vornamens – wurde 1971 aufgelöst. Die Stadt führte das Feierabendhaus bis 1994 selbst weiter. In den 1980er Jahren wurde das schöne Haus ein Opfer des letzten Klinik-Baubooms. In Verbindung mit dem ehemals gegenüberliegenden Fürstenhof wurde hier die Klinik am Kurpark ganz im Stil der damaligen Zeit – und unter maximaler Ausnutzung des Grundstücks – errichtet.

Während die Villa Johanna rund 80 Jahre lang die Parkstraße prägte, war die Klinik am Kurpark schon nach 30 Jahren Geschichte: 2014 erfolgte der Abriss. Pläne und Ideen für eine Neubebauung gab es schon viele, realisiert wurde aber noch nichts. Eine neue Ausschreibung bringt nun vielleicht neue Entwicklungen mit sich. Unserer Stadt würden sie guttun.

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