Stadtgeschichte(n): Der Weg zur autofreien Innenstadt

Lange Straße in Bad Salzuflen Anfang der 1980er Jahre

Die Lange Straße, vermutlich Anfang der 1980er Jahre // Foto: Stadtarchiv

Wer heute über die Steege zum Herforder Tor schlendert, mag sich gelegentlich über Radfahrer oder Busse echauffieren – vor fast 50 Jahren hätte er beim Spaziergang in der Straßenmitte allerdings noch sein Leben riskiert.

Mit der autofreien Innenstadt hat eine Entwicklung ihren Abschluss gefunden, die sich von den Blütezeiten der Automobilität bis in die Gegenwart erstreckt. Beim Wiederaufbau deutscher Städte nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die „autogerechte Stadt“ die Grundlage aller Planungen sein: Enge Gassen und alte Häuser sollten sogar verschwinden, soweit sie nicht schon durch die Bomben des Krieges vernichtet waren.

Auch wenn Bad Salzuflen als Lazarettstadt nicht bombardiert wurde und seine historische Bausubstanz erhalten blieb, machte man viele Pläne, mit denen man der neuen Motorisierung der Bundesbürger gerecht werden wollte. Der krasseste Entwurf sah den Abriss des gesamten Stadtkerns vor. Anschließend sollte über Tiefgaragen und zwischen neuen Betonklötzen flaniert werden können. Soweit kam es glücklicherweise nicht, dennoch brauchte die Hauptverkehrsachse Osterstraße/Am Markt/Steege dringend eine Entlastung.

Steege in Bad Salzuflen in den 1970er Jahren

Die Steege in den 1970er Jahren // Foto: Stadtarchiv

Auf den Fotos sieht man die Situation in den 1970er-Jahren – mit der Steege als Einkaufs- und Durchgangsstraße. Rechts neben dem Basar-Markt (später in der REAL-Gruppe aufgegangen) erkennt man das traditionsreiche Fotostudio Oppenheimer sowie das Geschäft von Regel Optik – autofahrerfreundlich mit Parkstreifen vor der Ladentür. Mit dem Beschluss zur Einrichtung einer Fußgängerzone und der Salze-Regulierung änderte sich schon bald dieses Stadtbild.

Der neue Fußgängerbereich zwischen Schliepsteiner Tor und Salzhof blieb jedoch am Herforder Tor unterbrochen, da der Verkehr nach Herford weiterhin durch die Innenstadt fließen musste. Erst nach Fertigstellung der Bahnhofstraße und der Verlängerung der Beetstraße (zwischen Till Eulenspiegel und der Kreuzung Walhallastraße) war der Weg frei für eine durchgehende Fußgängerzone.

Die weitere Geschichte ist bekannt: Nach der Sanierung der Innenstadt entschied die Mehrheit im Stadtrat im vergangenen Dezember, nun auch die Osterstraße und Am Markt zur Fußgängerzone zu machen – ein nicht unumstrittener Beschluss zur Beruhigung der Innenstadt. Indes könnte sich so mancher Fußgänger angesichts der zahlreichen Pedalritter, Busse und E-Mobilisten auch schon wieder mit einer Ampellösung am Herforder Tor anfreunden.

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