Jetzt mal Ernst! Interview mit Ernst Wittbrock

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Craft Beer und Cocktails gibt’s in den Herforder Bierstuben nicht, aber gute Gespräche und ein Frischgezapftes bis morgens um fünf. Inge und Ernst Wittbrocks Schankwirtschaft an der Ecke von Brüderstraße und Herforder Tor ist eine Kneipe, wie sie Peter Alexander nicht schöner hätte besingen können.

Die Herforder Bierstuben sind längst eine Institution in Bad Salzuflen. Erst recht für Nachtschwärmer. Was ist hier anders als in anderen Kneipen der Stadt?
Wir sind eine Kneipe ohne jeden Schnickschnack oder großartiges Drumherum. Bei uns schmeckt das Pils und am Tresen wird über Gott und die Welt philosophiert. Wir haben Gäste aus unterschiedlichen Generationen, und alle kommen hier in den Bierstuben miteinander ins Gespräch – wenn sie wollen. Eine eigene Küche haben wir nicht, dafür aber hervorragende Restaurants in der direkten Nachbarschaft. Manchmal ist weniger doch mehr und unsere Gäste wissen das zu schätzen.

Öffnungszeiten von sechs Uhr abends bis sechs Uhr in der Frühe. Das funktioniert in Bad Salzuflen?
Das funktioniert sogar so gut, dass Inge und ich uns dafür zwei Ruhetage erlauben können – am Dienstag und Mittwoch haben wir zu. Fünf Arbeitstage sind zwar für fast jeden Nicht-Kneiper normal, für selbstständige Wirte aber eher ungewöhnlich. Dafür macht es mir auch nichts aus, an unseren geöffneten Abenden bis fünfe oder sechse hinterm Tresen zu stehen.

Also werden in Bad Salzuflen auch wochentags keineswegs um 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt?
Vor unserer Haustür jedenfalls nicht. Und vor vielen anderen Kneipen und Restaurants in Salzuflen auch nicht. Außerdem gibt es viele Gastrokollegen von uns, die nach ihrer Schicht noch gemütlich ein Feierabendbier trinken möchten. Da sie selbst erst in der Nacht Feierabend haben, sind wir mit unseren Öffnungszeiten bis in den frühen Morgen für sie häufig die erste Adresse.

Was macht eine gute Kneipe aus? Und wie wird man zum Kneiper?
Das Wichtigste ist und bleibt das Bier – wenn das gut, richtig gekühlt und ordentlich gezapft ist, ist das schon die halbe Miete. Als Wirt solltest du allerdings nicht nur mit dem Zapfhahn, sondern auch mit deinen Gästen gut umgehen können. Das Zapfen habe ich vor Jahrzehnten auf dem Salzsiederfest gelernt: Damals wurden noch 20, 40 und 60 Biere auf einen Schlag bestellt. Wer bei diesen Schlagzahlen mithalten konnte und um sechs Uhr immer noch in der Bierbude stand, der konnte zapfen.

Wie sieht eure Kundschaft aus?
Seit mehr als 18 Jahren führen Inge und ich die Herforder Bierstuben. Mittlerweile haben wir bestimmt über 70 Prozent Stammkunden – darüber sind wir natürlich sehr glücklich. Zwei Schützenkompanien bewirten wir regelmäßig und auch einige politische Ratsparteien veranstalten ihre Treffen bei uns. Mittlerweile gibt es sogar einen Dartverein, der bei uns trainiert und seine Spiele austrägt. Und dann sind da eben noch die vielen Nachtschwärmer, die auch am frühen Morgen noch wissen, dass bei uns noch das Licht brennt.

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