Blick nach vorn: Interview mit fünf Menschen aus Bad Salzuflen

Sprechblasen

Besondere Wochen liegen hinter uns. Und ganz normal wird der Alltag auch in den kommenden Wochen und Monaten nicht ablaufen. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht. Demzufolge geht auch jeder anders mit seinen Gefühlen, Erwartungen und Hoffnungen um. Wir haben fünf Bad SalzuflerInnen nach ihren individuellen Empfindungen und Wahrnehmungen der letzten Tage befragt. Bemerkenswert: Jeder wünscht sich die Normalität so schnell wie möglich wieder zurück. Allerdings soll diese Normalität eine andere werden.

Stephan Otters, Musikschule

Stephan Otters,
Musikschule Bad Salzuflen

„Irgendwie ist zur Zeit alles, aber auch wirklich alles anders.“

„Mein Tagesablauf, meine Aufgaben bei der Arbeit, meine Freizeit. Aber Menschen – und da besonders Musiker – sind halt sehr kreativ. Und deswegen glaube ich, dass wir gut durch diese besondere Phase kommen werden.

Ich war sehr überrascht, was besonders in der Musikschullandschaft in Ostwestfalen-Lippe in kürzester Zeit an Ideen und Lösungen zusammengetragen wurde, damit wir unseren Schülerinnen und Schülern möglichst bald wieder die Musik und den Spaß mit ihr nahebringen können. Gerade jetzt komponiere ich die Titelmusik zu unserem neuen Podcast, der speziell für unsere jüngsten Schüler in der Musikalischen Früherkundung nach den Osterferien angeboten wird.

Denn das bringt die Corona-Krise auf jeden Fall: neue Formate, gerade im pädagogischen Bereich.“

Jascha Hofmann

Jascha Hofmann,
Markant Markt Hofmann

„Ich denke, uns hat die aktuelle Situation alle total unvorbereitet getroffen.“

„Zunächst möchte ich ein großes Lob an alle meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richten, die bis heute jeden einzelnen Tag mit guter Laune zur Arbeit kommen, keine Angst haben und unseren Kundinnen und Kunden auch gerne noch in einem kurzen persönlichen Gespräch etwas Mut geben!

Mein persönliches Gefühl sagt mir, dass uns die ganze Situation etwas näher zusammengebracht hat. Sie zeigt uns allen aber auch auf, wie viele Freiheiten wir Tag für Tag genießen konnten, ohne dass wir wirklich einmal bewusst darüber nachgedacht haben.

Ich freue mich schon sehr darauf, hoffentlich sehr zeitnah mal wieder bei unserem Lieblings-Italiener in Bad Salzuflen essen gehen oder einfach nur ein wenig durch die Innenstadt bummeln zu können.“

Jan Selonke, Fotograf

Jan Selonke,
Fotograf

„Ich denke, uns hat die aktuelle „Ich für meinen Teil genieße die stresslose Zeit.“

„Ich habe Zeit für meine Frau und meine zwei Kinder. Ich sehe auch die Natur viel intensiver, als noch vor drei Wochen.

Ich hoffe, dass die Krise die Menschen dazu bringen wird, ein bis zwei Gänge runterzuschalten. Unsere Zeit ist sehr schnelllebig geworden, vielleicht zu schnell? Wenn wir wieder anfangen, etwas genießen zu können und wir auch die Natur respektieren, bekommen wir hoffentlich eine neue Chance, uns zu beweisen.

Da ich selbst momentan keine Menschen in meinem Fotostudio ablichten kann, versuche ich, mit meinen Bildern über Bad Salzuflen die Menschen die schwere Situation vergessen zu lassen. Ich bin guter Dinge, dass wir schon in zwei bis drei Monaten wieder ein normales Leben führen können. Vielleicht mit ein paar Einschränkungen, aber dafür weg von der Isolation.“

Pfarrerin Martina Stecker

Martina Stecker,
Pfarrerin, ev.-ref. Stadtkirche

„Hoffnung gehört zu meinem Beruf, ohne Hoffnung wäre ich da fehl am Platz.“

„Zuversichtlich bin ich, weil die Menschheit solche Zeiten schon oft überwunden hat, auch unter noch schwierigeren Bedingungen. Zuversichtlich bin ich, weil ich davon überzeugt bin, dass alle versuchen, in ihren jeweiligen Positionen ihr Bestes zu geben, um die Krise zu bewältigen.

Ich hoffe aber auch, dass danach nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen wird und dabei Natur- und Umweltschutz wieder unter den Tisch gekehrt werden, sondern die Fragen nach Gerechtigkeit und bewahrter Schöpfung eine Rolle spielen werden.

Ich wünsche mir in vielen Dingen eine neue Bewertung darüber, was wirklich wichtig ist im Leben. Und dass das Wort „danke“ wieder viel öfter, gern und von Herzen gebraucht wird. Ich glaube an Gottes Liebe in der Welt und dass sie eines Tages alles durchdringen mag. Das gibt mir Zuversicht.“

Initiative Tafelhilfe Bad Salzuflen

Jule Schilling,
Initiative Tafelhilfe Bad Salzuflen

„Wir haben keine andere Wahl, als diese Situation zu meistern.“

„Zudem war ich sehr überrascht, wie viele Menschen uns unterstützt haben und wie viel Vertrauen wir erhielten. Oft musste ich Mithilfe ablehnen, da wir schon genug im Team waren. Auch Lebensmittelspenden musste ich irgendwann stoppen, da wir genügend hatten, um die Menschen zu versorgen.

Mir hat die Krise viel gebracht. Ich habe festgestellt, wie selbstwirksam ich sein kann und wie schön es ist, wenn man anderen Menschen hilft. Außerdem sind wir im Team zusammengewachsen und haben richtige Freundschaften geschlossen.

Ohnehin war ich persönlich immer recht zuversichtlich, da ich ein Grundgefühl der Versorgung hatte. Freunde gaben mir Lebensmittel, die ich nirgends mehr bekam. Wenn ich falle, fängt mich jemand auf. Ich habe mir ein soziales Netz aufgebaut, von dem ich zum Glück profitieren kann.“

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