Laumann
Seit 57 Jahren sind Wigand und Ursel Laumann verheiratet. Ursel Laumanns spannende Geschichte im Bad Salzufler Einzelhandel ist ein eigenes Interview wert. Fortsetzung folgt also … // Foto: Rainer Tautz

Kaffee, Kuchen, Tabak und Heringe: Im kleinen Krämerladen Laumann wurde bis in die frühen Achtziger noch alles über den Tresen gereicht. Im Eckgeschäft an der Oerlinghauser Straße machten viele Schötmaraner ihre Wocheneinkäufe. Was es hier nicht gab, war nebenan zu haben – bei der Schlachterei Plaßmeier und beim Obstladen Geisler. Mit Bäckermeister Wigand Laumann und seiner Frau Ursel haben wir uns an die Tante-Emma-Zeit erinnert, die in einer Backstube in Bexten ihren Ursprung hatte.

Herr Laumann, stehen Sie heute noch in der Küche, um zu backen?
Gelegentlich, allerdings nur für den Hausgebrauch.
Ursel Laumann: Er hilft mir beim Plätzchenbacken zu Weihnachten.

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Alles drin, alles dran: Anfang der Achtziger. // Foto: privat

Sie standen ja auch lange genug in der Backstube …
Das kann man wohl sagen. Insgesamt waren das fast 50 Jahre. Aber in den letzten Berufsjahren habe ich nicht mehr in unserem Familienbetrieb gearbeitet, sondern bei Sander in der Schloßstraße, bei Hallfeld in Detmold und bei Pyka in Lemgo. Unsere Bäckerei haben wir ja 1994 geschlossen und dann an den Bäckerjungen verpachtet.

Und dann gab es da ja auch noch die Imbissbude …
Genau. Die gab es zwar bis 2009, aber ich habe dort nicht mitgearbeitet. Die Imbissbude haben mein mittlerweile verstorbener Bruder Paul und meine Schwägerin Karin allein geführt.

Was war zuerst? Die Bäckerei oder der Imbiss?
Die Bäckerei natürlich. Aber nicht die in der Oerlinghauser Straße, sondern die kleine neben dem Waldkrug in Bexten. Das Haus in Schötmar kam erst 1929 dazu.

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Tolles Team: Paul und Karin Laumann im Imbiss. // Foto: privat

Fangen wir doch am besten ganz vorn an.
Gern. 1925 hat mein Vater Paul Laumann in Bexten, neben dem Waldkrug, eine kleine Bäckerei gepachtet. Da war er gerade mal 21 Jahre alt. Der Laden war kleiner als unser heutiges Wohnzimmer. Verkauft hat er seine Brote vor allem in den Dörfern rund um Bexten. Mit dem Pferdewagen ist er damals seine Touren gefahren.

Den Waldkrug gab es damals also auch schon?
Ja. Der Eigentümer des Gasthauses war Herbert Kampe. Da sich mein Vater in dessen Schwester verknallte, wurde Onkel Herbert auch schon bald sein Schwager. Wie das so ist …

Dann ging es nach Schötmar?
Auch richtig. 1929 hat mein Vater das Haus in der Oerlinghauser Straße gebaut. Im Erdgeschoss war die Bäckerei, die Küche, der Flur und das Wohnzimmer, das nur Weihnachten und Ostern genutzt wurde. Oben waren die Schlafzimmer und unser Oma.

Und mit dem Über-Land-Verkauf war es dann vorbei?
Nein. Nur ist mein Vater dann mit dem Auto, statt mit dem Pferdewagen losgefahren. Das Auto hatte eine Pingel und wenn er die drückte, dann kamen die Leute aus dem Haus und haben gekauft. Außerdem kam Nolteklocke, der Müller, häufig vorbei und hat das Mehl gebracht, das aus dem Korn der umliegenden Höfe gefertigt wurde. Diese Bauern mussten nur ein sogenanntes Backgeld für die Brote bezahlen, die mein Vater für sie fertigte.

Wann sind Sie in das Geschäft eingetreten?
Das war 1957, mit fünfzehn Jahren. Mann, was war ich stolz, als ich einen Zweizentnersack Mehl von der Mehlstube in die Backstube tragen konnte. Wir waren insgesamt vier Brüder. Aber nur Paul und ich sind auch Bäcker geworden. Ich konnte zu Hause lernen, weil neben meinem Bruder der Meister Lambracht im Betrieb war. Paul, der zehn Jahre älter war als ich, musste in seiner Lehrzeit noch zwei Jahre nach Lemgo – zu Thermann.

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Sie wünschen, bitte? Der Krämerladen Laumann. // Foto: privat

Aus der Bäckerei wurde dann nach und nach der kleine Tante-Emma-Laden, den es sogar Anfang der Achtziger noch gab.
Genau. Einen Verkaufsraum gab es zwar von Anfang an, doch später wurde dieser verdoppelt. Denn unser Wohnzimmer wurde zum Laden hinzugenommen und umgebaut. Ein richtiger Krämerladen entstand, in dem es neben dem Brot viele andere Dinge des täglichen Bedarfs gab. An Samstagen standen vier, manchmal sogar fünf Verkäuferinnen hinter dem Tresen. Denn jede Ware musste hergekriegt und über die Theke gegeben werden …

Was für Waren gehörten dazu?
Wir hatten alles. Neben Lebensmitteln und Backwaren hatten wir beispielsweise auch Sämereien und Wurstebänder im Verkauf. Außerdem Öl, Essig, Zucker und Heringe.

Wurstebänder …?
Natürlich. Damals wurden viele Hausschlachtungen durchgeführt. Und dafür hatten wir die Wurstebänder aus Kunstdarm sowie das Schlachtesalz im Angebot. Wir selbst haben auch immer drei Schweine gehalten. Zwei haben wir verkauft, eines haben wir nebenan zum Schlachter Plaßmeier gegeben. Gefüttert wurden die Schweine auch mit den Resten aus der Backstube. Denen machte es schließlich nichts aus, wenn die Tortensahne etwas sauer war.

Sie erwähnten Zucker, Essig und Öl – eigentlich nichts Besonderes …
Ja, aber wir hatten das alles nicht in Plastik oder Papier wie heute, sondern in Fässern oder zentnerweise. Sogar Heringe hatten wir in Tonnen. Jeden Tag wurden 20 bis 30 aus der Lake genommen, sauber gemacht und in Zwiebeln und Sahne eingelegt.

Apropos Sahne: Gab es auch einen Kuchen, für den Laumann besonders bekannt war?
Ich denke, unser Bienenstich war über Schötmars Grenzen hinaus sehr beliebt. Jedenfalls hatten wir einige Kunden, die für unseren Bienenstich kilometerweit gefahren sind.

Noch ein Wort zum Imbiss. Wann kam der dazu?
Das war 1967. Wir hatten keine Schweine mehr und so wurde der Platz für die Imbissbude frei. Unser Nachbar, der Schlachter, hat sich ein bisschen darüber geärgert, dass ausgerechnet der Bäcker Paul Laumann vor ihm Bratwürstchen in einer eigenen Bude verkaufte.

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