Buchtipp: Schützenfest von Dirk Bernemann

Schützenfest
Dirk Bernemann
224 Seiten
Gebundene Ausgabe
Heyne
18,00 €

Menschen, die in jungen Jahren ihre Provinz-Heimat verlassen, haben ihre Gründe dafür. Entweder lockt sie eine Karriere in die Großstadt oder die Idylle daheim schnürt ihnen die Luft ab. Auch Gunnar Bäumer hielt es einst zu Hause nicht mehr aus – er zog nach Berlin. Wie er seine Rückkehr auf Zeit erlebt, beschreibt der Münsterländer Dirk Bernemann in seinem Roman Schützenfest

Gunnar Bäumer, ein gebürtiger Westfale, der seit sieben Jahren in Berlin lebt, kehrt für eine Woche in sein Heimatdorf Dörrfeld zurück. Hier soll er das Haus seiner urlaubenden Eltern hüten. Gunnar will die Zeit nutzen, um in Ruhe und Abgeschiedenheit über sich, sein Leben und seine gescheiterte Beziehung nachzudenken. Allerdings hat der Wahl-Berliner nicht an das alljährlich stattfindende Schützenfest gedacht. Kaum in Dörrfeld angekommen, wird er in die traditionell verankerten Fest- und Trinkbräuche der Nachbarschaft eingebunden. Gunnar hat keine Chance, sich diesen zu entziehen. 

Alles an diesem Roman ist schön. Und das, obwohl sich Dirk Bernemanns Antiheld ununterbrochen deprimiert und desillusioniert durch seine Vergangenheit windet. Die Nachbarn, die alten Knallchargen, die erste große Liebe: Gunnar trifft all die wieder, denen er eigentlich aus dem Wege gehen will. Und das auch noch häufig in den prekärsten Situationen.

Oberflächlich ist Schützenfest eine witzige Hangover-Story aus der münsterländisch-westfälischen Provinz. Tatsächlich ist Dirk Bernemanns Roman allerdings eine zutiefst gefühlvolle Geschichte über das Alleinsein, das Dazugehörenwollen und die verpassten Chancen im Leben. Die Worte, die der Autor dabei für Gefühle, Stimmungen und Ungesagtes findet, sind durchweg auf den Punkt –
und tatsächlich oft witzig.

Rainer Tautz

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