Kaum noch etwas wert: Auch in Bad Salzuflen wurden aufgrund der zunehmenden Inflation immer mehr Geldscheine gedruckt.

Da sind es schon zwei: Wieder ist ein Jahr rum. Und wieder wird es als Corona-Jahr in die Geschichte der Menschheit eingehen. Durch Impfstoffzulassungen und zwischenzeitlichen Lockerungen zwar mit deutlich mehr Lichtblicken als noch das Jahr zuvor, aber eben doch vollgepackt mit virologischen, politischen und menschlichen Tiefpunkten. Und weil die Pandemie unseren Alltag nach wie vor bestimmt, macht auch in der letzten Salzstreuner-Ausgabe des Jahres 2021 eine Zeitreise wieder mehr Spaß als ein Jahresrückblick: Was ereignete sich in Bad Salzuflen vor genau 100 Jahren?

1921: Auch dieses Jahr war für Bad Salzuflen keineswegs nur positiv – es sorgte früh für tiefe Sorgenfalten: Diebe trafen Schötmar, das im 19. Jahrhundert zum Zentrum der Kunststoffherstellung in Deutschland heranwuchs, schon im Januar ins Mark. Die dreisten Täter stahlen bei Küstermann & Beermann in der Lemgoer Straße Celluloid-Waren im Wert von 15.000 Mark. Ein Einbruch bei Bracht & Loth konnte hingegen vereitelt werden.

Schon in den ersten Monaten des Jahres sah man sich zudem mit einer besorgniserregenden Wohnungsknappheit konfrontiert. In Schötmar wurde im März daher eine Zementsteinpresse eingesetzt, die pro Tag 5.000 Steine für den Hausbau produzierte. Ebenfalls in Schötmar und ebenfalls im März kam es zu einem schweren Unglück: Auf dem Marktplatz explodierten Kanister mit 150 Litern Benzol, als ein Junge ein Streichholz in eine Benzinlache warf. Ein Arbeiter und mehrere Kinder standen in Flammen, sie erlitten schwere Brandwunden. Zudem entstand ein Sachschaden von etwa 1.200 Mark.

Apropos Mark: Die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs machten sich in ganz Deutschland auch in Form einer Inflation zunehmend bemerkbar. Der Wert der Mark hatte im internationalen Vergleich nur noch einen kümmerlichen Pfennigwert. Münzen und Scheine wurden Mangelware. Im Juni wurden in Schötmar deshalb bei den Begawerken, einem Tochterunternehmen der Hoffmann‘s Stärkefabriken, beharrlich 10-, 25- und 50-Pfennigscheine gedruckt. Die Einführung des Notgelds war jedoch fast zwecklos: In den nächsten 24 Monaten sollte sich die radikale Geldentwertung bis zur einer Hyperinflation weiterentwickeln.

Bei all den Nöten und Sorgen des Jahres 1921 gab es für viele Menschen in der Stadt jedoch auch einen Grund zur Freude: Am 1. April erhielt das Dorf Schötmar die Stadtrechte. Genügend Einwohner hatte Schötmar längst und eine beeindruckende wirtschaftliche Struktur ebenso. Im Odeon in der Schülerstraße wurde die Stadtwerdung mit Vorträgen und Reden besiegelt. Auf eine größere Feier wurde wegen der sorgenvollen Umstände des bewegten Jahres 1921 aber verzichtet.

Viele dunkle Wolken und einige Lichtblicke. Damals wie heute.

Quellen: Meyer, Franz (2007): Bad Salzuflen. Epochen der Stadtgeschichte. Verlag für Regionalgeschichte: Bielefeld, Seiten 279, 482.
Wallbaum, Kurt (1999): Chronik Schötmar. 1231 – 1968. Selbstverlag: Bad Salzuflen, Seite 108.
Bildquelle: Jens Leuschner

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