Villen, Prunk, Luxus: In der Parkstraße änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts so einiges. Eine Entwicklung mit vielen Gesichtern. // Foto: Paetzold, Karl Heinz (2008): Aus Salzuflens vergangenen Tagen. Ein Bildband mit Anekdoten und Anmerkungen. MPS: Bad Salzuflen, S. 488

In den Straßen unserer Stadt ist eine Menge passiert. Interessante Menschen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Salzstreuner-Serie Straßen und ihre Gesichter erzählt von ihnen.

Fürst Leopold IV. zur Lippe besuchte Bad Salzuflen im Jahr 1908.

Der zweite Teil der Serie führt uns in die Parkstraße, in der zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Aufschwung Salzuflens auf fast jedem Meter sichtbar wurde. Europa erlebte eine längere Zeit ohne große Kriege und konnte sich endlich auch den leichteren Dingen zuwenden. Die schöne Epoche (Belle Époque), die auch von den neuen Möglichkeiten der Industriellen Revolution befeuert wurde, machte Wohlstand möglich. Nicht für jeden, aber doch für mehr Menschen als zuvor. Salzuflen mauserte sich vom Kurort zum Staatsbad. Den offiziellen Namenszusatz „Bad“ gab es schließlich auch – im Jahr 1914.

Zurück in die Parkstraße. Noch heute stehen hier zahlreiche Villen, die um die Jahrhundertwende das Stadtbild grundlegend veränderten. 

Schon im Sommer 1908 verbrachte Fürst Leopold IV. zur Lippe (siehe Foto) einen Kuraufenthalt in Salzuflen, obwohl standesgemäße Pensionen rund um die Kuranlagen zu jener Zeit noch rar gesät waren. Daher kam der hohe Besuch mit seiner Familie auch in der privat genutzten Villa Strunk in der Wenkenstraße unter. Um den Mangel an temporär belegbaren Unterkünften zu beheben, mussten Pensionen und Hotels her. Unter Beteiligung des Fürstenhauses wurde prompt eine Aktiengesellschaft gegründet, die ein neues Luxushotel in der Parkstraße erbauen ließ. Das Hotel Fürstenhof (in der Mitte des ersten Fotos) wurde 1911 in neun Monaten fertiggestellt. Die Baukosten waren beträchtlich; heute steht der Komplex allerdings leer.

Auch die einst sehr bekannte Villa Johanna wurde nicht für die Ewigkeit gebaut, obwohl sie sogar für eine gute Sache bestimmt war. Die Geschichte des Hauses, das sich gegenüber dem Hotel Fürstenhof in der Parkstraße 27 befand, begann 1895 mit einem wichtigen Projekt. Die Erbauerin Johanne Hunecke wollte mit einer Stiftung und der Villa alleinstehenden und einsamen Frauen eine Zuflucht bieten. Nur ein Jahr nach der Fertigstellung verstarb sie allerdings und das Haus wurde 1904 verkauft. In den 1980er-Jahren erfolgte schließlich der Abriss der Villa. Für die Klinik am Kurpark, die auch längst nicht mehr steht, musste Platz geschaffen werden. Heute ist die Parkstraße 27 ein brachliegendes Feld.

Ein Blick in die Goldschmiedewerkstatt Bender in den 1920er-Jahren. // Foto: Paetzold, Karl Heinz (2008): Aus Salzuflens vergangenen Tagen. Ein Bildband mit Anekdoten und Anmerkungen. MPS: Bad Salzuflen, S. 476

Bevor ein falsches Bild entsteht: Längst nicht alles, was in der Parkstraße erbaut wurde, war von kurzer Dauer. Es gibt zahlreiche Beispiele für nachhaltige Erfolge. So zog es im Jahr 1918 den Goldschmiedemeister Hugo Philipp Bender nach Bad Salzuflen. Er betrieb sein feines Geschäft zunächst an der Ecke Schliepsteiner Tor und Lange Straße, bevor er 1922 in das ehemalige Pensionshaus in der Parkstraße 16 umzog. Auch heute befindet sich in der schönen Villa noch immer ein Goldschmiedegeschäft.

Quellen:

Meyer, Franz (2007): Bad Salzuflen. Epochen der Stadtgeschichte. Verlag für Regionalgeschichte: Bielefeld, S. 243.

Paetzold, Karl Heinz (2008): Aus Salzuflens vergangenen Tagen. Ein Bildband mit Anekdoten und Anmerkungen. MPS: Bad Salzuflen, S. 472 – 476, 488

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