Portraitbild von Niklas Müller
Immer den richtigen Song parat: DJ Niklas Müller. // Foto: Artur Neumann

Niklas Müller ist das Schweizer Taschenmesser unter den hiesigen DJs. Wird in Bad Salzuflen zu irgendeinem Anlass gute Musik benötigt, fällt über kurz oder lang der Satz „Frag doch mal diesen Niklas Müller!“. Der 27-Jährige liefert aber nicht nur die richtigen Songs zur richtigen Zeit, sondern auch das komplette Brett an Licht- und Soundtechnik. Vom Stuhlkreis bis zum Sportfest kann Müller alles inszenieren, was Spaß machen soll. Vor dem Post-Corona-Eventsommer 2022 haben wir noch schnell einige Worte mit ihm gewechselt.

So, Corona ist vorbei, oder?
Aktuell könnte man das durchaus meinen. Jedenfalls haben die Menschen wieder Lust zu feiern. Allerdings kann sich dieses Gefühl auch wieder drehen. Wir stellen jedenfalls fest, dass zurzeit fast jeder versucht, bis Oktober noch einen Termin bei uns zu bekommen. Um irgendetwas nachzufeiern, was in den zwei vergangenen Jahren auf der Strecke blieb. Und was im Herbst schon wieder unmöglich werden könnte.

Niklas Müller mit seinem Sounpaket unterwegs in Bad Salzuflen
Das kleine Soundpaket zum Mitnehmen. // Foto: privat

Wie hast du die zwei Pandemie-Jahre beruflich hinter dich gebracht?
Ich habe im letzten Jahr eine Stelle bei der Stadt Bad Salzuflen angenommen, weil ich aufgrund der Pandemie praktisch keine Einnahmen mehr hatte. Deshalb arbeite ich nun auch noch als Elektroniker auf der Kläranlage. Zurzeit mache ich dort sogar noch eine weitere Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik.

Bekommst du alles unter einen Hut?
Ja, bislang klappt das noch ganz gut.  Allerdings habe ich ja schon gesagt, dass die Veranstaltungen jetzt wieder tüchtig anziehen und mich auch wieder in Anspruch nehmen werden.

Gehen wir einen Schritt zurück: Seit wann bist du als DJ schon tätig?
Diesen DJ-Kram mache ich schon seit meinem vierzehnten Lebensjahr. Also seit dreizehn Jahren. Einige Zeit später habe ich auch das Gewerbe dazu angemeldet. Trotzdem habe ich auch noch eine Ausbildung gemacht – als Elektroniker bei den Stadtwerken. Nach dem Abschluss meiner Lehre konnte ich das Auflegen und die Veranstaltungstechnik zu meinem Hauptberuf machen.

Niklas Müller Lichttechnik
Das große Lichtpaket zum Stimmungmachen. // Foto: privat

Wie kommt man als 14-Jähriger dazu, professionell aufzulegen?
Ich fand das immer schon geil. Wenn ich auf Partys war und gesehen habe, wie die DJs die Lautsprecher aufgebaut, die Mikros und die Kabel angestöpselt haben, hätte ich am liebsten schon mitgeholfen. Als ich dann angefangen habe, auf privaten Partys bei Freunden aufzulegen, war das natürlich auch ein sehr cooles Gefühl. Das hat mich gepusht. Auch weil ich am DJ-Pult mein eigener Chef war und sofort sehr gutes Feedback erhalten habe.

Hast du gleich mit eigenem Equipment gearbeitet?
Ja, eigentlich schon. Allerdings hat man damals bei den kleinen Partys ja nicht viel gebraucht. Das Geld, das ich für das Auflegen bekommen habe, habe ich auch sofort wieder in die Technik investiert. Auch wenn es nicht viel Geld war, konnte ich das Equipment dann aber doch nach und nach zusammenkaufen. Irgendwann hatte ich so viel zusammen, dass ich technisch sogar mehrere Partys gleichzeitig ausstatten konnte. Und da auch die Anzahl der Anfragen drastisch zunahm, habe ich schließlich damit begonnen, auch andere DJs zu vermitteln und sie für die Events mit meiner Technik auszurüsten. Mittlerweile generiere ich mehr als die Hälfte meines Jahresumsatzes aus dieser Vermittlungs- und Ausstattungsdienstleistung. Heute rufen die meisten Leute auch nicht mehr bei Niklas an, sondern beim Spark-Team, um nach einer Lösung für ihre Feier zu fragen. Es ist cool, dass das Geschäft in diese Richtung wächst.

Wie viele Veranstaltungen hast du vor Corona in einem normalen Jahr technisch oder musikalisch betreut?
Circa 120 bis 150 Events werden das schon gewesen sein. In den Frühlings- und Sommermonaten hatten wir bis zu sieben Veranstaltungen an einem Wochenende. Und im November und Dezember kamen dann die ganzen Firmen- und Weihnachtsfeiern dazu. Im Januar und Februar war dagegen kaum etwas los.

Niklas Müller mit Stirnband
Das Stirnband zum Schickmachen. // Foto: privat

Macht es für dich einen Unterschied, ob du als DJ eine Hochzeitsfeier oder einen Geburtstag bespielst? Oder anders: Gibt es Partys, auf denen du lieber auflegst als auf anderen?
Das ist von Feier zu Feier unterschiedlich. Vor allem kommt es auf die Menschen an, die anwesend sind. Tatsächlich lege ich aber doch sehr gern auf Hochzeiten auf. Die Gastgeber und Gäste sind meist gut drauf und sie haben Zeit mitgebracht. Bei einem vierzigsten Geburtstag kann es dagegen schon mal vorkommen, dass einige Gäste um halb eins den Saal verlassen, weil sie am nächsten Morgen ihren Rasen mähen wollen.

Was war das größte Ding, das du mit deinem Team bislang betreut hast?
Da gibt es einige. Zu Abibällen und Zeltfesten kommen gern mal mehrere Hundert Menschen oder noch mehr. Auch bei unserer Vatertags-Tour vor drei Jahren waren knapp tausend Leute unterwegs. 

Macht ihr die Vatertags-Tour dieses Jahr auch wieder?
Nein. Ich bin da raus. Diesen enormen logistischen Aufwand kann ich dieses Jahr nicht leisten. Ich werde zwar unterwegs sein, allerdings im kleinen Kreis und nicht in Bad Salzuflen.

Hast du einen abschließenden Tipp für Hobby-DJs? Wie bekommt man das Publikum auf die Tanzfläche?
Dafür gibt es kein Patentrezept, denn jede Gesellschaft ist anders. Wichtig ist, dass man jeden Gast berücksichtigt und niemanden auslässt. Denn alle wollen ihren Spaß haben. Außerdem kann man als DJ die Musikauswahl ja auch zu jeder Zeit gut steuern. Mit einigen Klassikern macht man nach dem offiziellen Teil nichts falsch. Sind ältere Gäste im Saal, kommen bekannte Discofox-Nummern gut an – ebenso der eine oder andere Schlager. Im Laufe des Abends findet man dann schnell heraus, was funktioniert …

Im Zweifel die Musik aus den Charts?
Bloß nicht. Was im Radio läuft, will auf einer Feier keiner mehr hören.

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