Redžep Memišević zeigt die Urkunde zum Goldenen Abzeichen.
Stolz präsentiert Redžep Memišević die Urkunde zum Goldenen Abzeichen, das er 2025 in Serbien erhielt. // Foto: Rainer Tautz

Für den Bad Salzufler Redžep Memišević war das vergangene Jahr wieder einmal ein ganz besonderes. Sein jahrzehntelanges Schaffen, das wie bei vielen Künstlern oft auf regionaler Ebene hoch anerkannt und gewürdigt wird, wurde plötzlich wieder auf internationaler Bühne sichtbar. Angebahnt hatte sich das besondere Jahr schon im Sommer 2024.

Bereits im Juli 2024 rückte Redžep Memišević’ Werk in Serbien erneut in den Fokus: Von der in den USA ansässigen Nikola Tesla Foundation wurde er zu einer internationalen Ausstellung eingeladen, die sich dem Leben und Wirken von Nikola Tesla widmete. Memišević beteiligte sich mit einem großformatigen Werk mit dem Titel „Teslas Frauen“ – einer Arbeit, die nicht die Errungenschaften des berühmten Erfinders selbst, sondern seine persönlichen Beziehungen zu Frauen in den Mittelpunkt stellt.

Aus diesem Engagement heraus ergab sich im Folgejahr eine Einladung nach New York. Dort präsentierte Memišević 2025 gleich zwei Werke, die sich erneut mit Tesla auseinandersetzen – und für die der Künstler von der Tesla Science Foundation mit dem Tesla Spirit Award ausgezeichnet wurde. Eines dieser Bilder wird sogar dauerhaft im Hotel New Yorker verbleiben – jenem Haus, in dem Nikola Tesla seine letzten zehn Lebensjahre verbrachte und am 7. Januar 1943 tot aufgefunden wurde. Das Werk ist dort als dauerhafte Leihgabe an prominenter Stelle vorgesehen, verbunden mit der Nennung des Künstlers. Für Memišević ist dies mehr als eine deutliche Ausweitung seines Wirkungsbereichs: Es ist die langfristige Verankerung seines Werks an einem historisch aufgeladenen Ort.

Der Auftritt in New York markierte einen weiteren Höhepunkt und blieb nicht ohne erneute Wechselwirkung in Serbien. Die Aufmerksamkeit, die seine Tesla-Arbeiten im Ausland erfuhren, führte dazu, dass die Nikola Tesla Foundation nun Memišević für eine der bedeutendsten kulturellen Auszeichnungen Serbiens vorschlug. Im November 2025 wurde ihm schließlich in Belgrad das Goldene Abzeichen der Kultur- und Bildungsgemeinschaft Serbiens (Kulturno-prosvetna zajednica Srbije) verliehen.

Diese Auszeichnung wird jährlich an Persönlichkeiten vergeben, die sich in besonderer Weise um Kultur, kulturelle Vermittlung und gesellschaftliches Engagement verdient gemacht haben – in Serbien selbst ebenso wie in der Diaspora. Im Jubiläumsjahr der Institution wurden ausnahmsweise mehrere Preisträger geehrt. Dass Redžep Memišević zu diesem Kreis gehört, würdigt nicht nur sein künstlerisches Werk, sondern auch seinen jahrzehntelangen Einsatz für Kunst und Kultur. Die feierliche Verleihung in Belgrad bildete den offiziellen Höhepunkt eines außergewöhnlichen Künstlerjahres.

Die Beziehung Belgrad – Bad Salzuflen

Redžep Memišević lebt mit seiner Frau Antje seit mehr als fünfzig Jahren in Bad Salzuflen. Hier war er viele Jahre als Kunstlehrer tätig, hier entstand ein Großteil seines freien künstlerischen Werks, und hier engagierte er sich intensiv für das kulturelle Leben der Stadt – unter anderem als Mitbegründer der Künstlervereinigung Das Fachwerk, die über Jahrzehnte hinweg ein wichtiger Ort für Kunst und Begegnung war. Seine künstlerische Laufbahn begann jedoch bereits früher: 1961 nahm er sein Studium an der Kunstakademie in Belgrad auf, der damaligen Hauptstadt Jugoslawiens.

Im Zentrum von Memišević’ Arbeit steht bis heute der tägliche künstlerische Prozess. Er malt jeden Tag. In seinen Bildern entstehen oft feine Übergänge, Andeutungen von Figuren, Frauen, manchmal Engel – Formen, die nicht festgelegt wirken, sondern sich im Bildraum entfalten. Stolz ist Memišević über die Bezeichnung, die die Dichterin Ilinka Vuković seinen Figuren gegeben hat: „seidene Madonnen“.

Bis Juni plant der Künstler, 20 bis 30 neue Arbeiten fertigzustellen. Viele davon werden erstmals öffentlich zu sehen sein, wenn im Juni seine neue Ausstellung im Gerbereimuseum in Enger eröffnet. Damit kehrt sein Werk wieder in einen überschaubaren, persönlichen Rahmen zurück. Auch das mag der 88-Jährige sehr: „Es muss nicht immer New York oder Belgrad sein.“

ta

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