
HIP: Ermittlerin mit Mords-IQ Staffel 5
Regie: Mona Achache, Jean-Philippe Amar
Mit Audrey Fleurot, Mehdi Nebbou, Bruno Sanches, Marie Denarnaud
8 Episoden
Krimi, Thriller
polyband Medien GmbH
Die fünfte Staffel erhält von uns:
Wenn Imitation wirklich die höchste Kunst der Anerkennung ist, sagt das bereits viel über die französische TV-Serie „HIP: Ermittlerin mit Mords-IQ“ aus. Immerhin hat der US-Sender ABC die Serie inzwischen erfolgreich für das heimische Publikum adaptiert. Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen, reicht jedoch nicht an das Original heran, das mit der fünften Staffel nun einen Abschluss erhält.
Im Zentrum der Serie steht Morgane Alvaro, die in Staffel 1 unverhofft zur Polizeiberaterin avanciert. Da sie zwar über einen IQ von 160, ein eidetisches Gedächtnis sowie eine brillante Beobachtungs- und Kombinationsgabe verfügt, jedoch chaotisch und sozial unangepasst agiert, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Das gilt besonders, wenn sie an der Seite des pedantischen Kommissars Adam Karadec ermittelt.
Zu Beginn von Staffel fünf leben beide mit Morganes drei Kindern und dem gemeinsamen Sohn Leo zusammen. Aber handelt es sich nur um eine Wohngemeinschaft oder um eine Liebesbeziehung? Die damit verbundenen Irrungen und Wirrungen ziehen sich fast durch die ganze Staffel und bilden einen interessanten Gegenpol zu den raffiniert konstruierten Kriminalfällen.
Auch der Humor kommt wie gewohnt nicht zu kurz und entfaltet seine Wirkung besonders im Kontrast mit tragischen Ereignissen. Denn dieses Mal – so viel sei verraten – gibt es einen Tod in der Familie zu verdauen. Gleichzeitig ist die Inszenierung weiterhin visuell komisch-kreativ und trifft oft ins Schwarze. Das liegt wohl auch daran, dass mit Vincent Jamain, Jean-Philippe Amar und Mona Bauer Regisseure am Werk sind, die schon zuvor Folgen für die Serie inszeniert haben.
Eine tragende Säule bleibt Audrey Fleurot in der Rolle von Morgane Alvaro. Die aus der Erfolgskomödie „Ziemlich beste Freunde“ bekannte Schauspielerin haucht der eigenwilligen Hauptfigur ein weiteres Mal Leben ein. Überzeugen kann aber auch Mehdi Nebbou („House of Gucci“) in der Rolle von Adam Karadec, wobei die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern weiterhin passt.
Ein stimmig gestaltetes Highlight ist vor allem die Auftaktfolge. Spielerisch zitieren die Macher hier visuell und inszenatorisch die berühmte Serie „24“. Zudem erreicht die Staffel hier bereits einen frühen Höhepunkt in Sachen Komik und unerwartete bis absurde Wendungen. Das heißt nicht, dass der Rest der finalen Season schlecht ist – nur eben im direkten Vergleich mit den ersten Staffeln eben etwas schwächer. Das liegt auch daran, dass manches zu überdreht wirkt oder Kommissar Zufall zu viele Überstunden macht.
Auch Morgane Alvaros Schlüsse sind auf den zweiten Blick nicht immer so zwingend, wie sie erscheinen. Beispielsweise muss ein Autofahrer nicht zwangsläufig Raucher sein, nur weil er das Seitenfenster heruntergedreht hatte. Vielleicht war er auch einfach müde und wollte sich frische Luft gönnen. Zudem bietet die Abschlussfolge nicht ganz den erhofften absoluten Knaller. Bis auf die französische Tonspur gibt es leider auf den drei DVDs auch keinerlei Extras.
„HIP: Ermittlerin mit Mords-IQ“ bleibt mit der finalen Staffel eine der unterhaltsamsten Serien aus dem Bereich der Kriminalkomödien. Auch wenn der Abschluss kein absoluter Knaller ist und nicht ganz das Top-Niveau der ersten Folgen erreicht, sollten sich vor allem Genre-Fans die Serie nicht entgehen lassen und Neulinge am besten direkt mit Staffel 1 anfangen.
Ingo Gatzer