Stadtgeschichte(n): Die Kilianskirche in Schötmar

Sie ist groß, sie ist schön und sie ist das am weitesten sichtbare Wahrzeichen – nicht nur Schötmars, sondern der ganzen Stadt: Die Kilianskirche.

Wer vor ihr steht, also in der Begastraße hinter dem Eiscafé Roma und der Buchhandlung neunmalklug scharf rechts abbiegt, der kann sich kaum vorstellen, dass hier jemals etwas anderes gestanden haben sollte als dieser riesige sakrale Klotz. Wobei die Bezeichnung „Klotz“ den Erbauer, Friedrich Heinrich Goedecke, sicherlich schwer treffen würde, ist „seine“ Kirche doch ein Werk der Neugotik und damit höher und leichter als das, was zuvor hier im Zentrum Schötmars stand.

Wie auch immer: Die Kilianskirche ist so, wie sie heute dasteht, gerade einmal knapp 160 Jahre alt. Davor gab es bereits zwei Vorgängermodelle, die hier, an gleicher Stelle, ihre Tore für die Gläubigen öffneten.

Die Errichtung des ersten Kirchenbaus wird auf einen Zeitpunkt geschätzt, der zwischen den Jahren 795 und 836 liegt. Diese Kilianskirche zählte zu den sogenannten Urpfarreien, die dazu dienten, das umliegende Sachsenland zu missionieren. Schötmar war zu dieser Zeit und in dieser Hinsicht regional schon eine recht große Nummer – und hieß noch Scutemere.

Im 12. oder 13. Jahrhundert wurde der mittlerweile steinerne Bau durch eine Basilika im romanischen Stil ersetzt. Mit Turm, Kreuzgrundriss und Altären für die Heiligen.

1437 wurde die Katharina-Glocke, vermutlich auf dem Kirchplatz, gegossen. Sie ist bis heute erhalten und damit Bad Salzuflens ältestes erhaltenes Monument. Das 1.500 Kilogramm schwere Musikinstrument, das bereits bei leichtem Kontakt mit dem Klöppel das Innere des Turms vibrieren lässt und ursprünglich auch als Feuerglocke genutzt wurde, hat in diesem Jahr seinen 575. Geburtstag. Am 1. Juli wird die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde daher ein Glockenfest feiern. Gratulation!

Wir machen einen Schnitt und reisen weiter in Richtung Gegenwart: 410 Jahre nach der Katharina-Glocke ist das romanische Kirchengebäude substanziell am Ende. 1847 wird die Kilianskirche abgerissen, drei Jahre später, mit der Grundsteinlegung der neuen Kirche, auch ihr Turm. Als Übergangslösung diente bis 1854 eine mit Brettern zusammengehauene Notkirche auf dem Kirchplatz.

Am 26. Juli 1854 erstrahlte dann endlich die neue Kilianskriche mit ihrem 47 Meter hohen Turm (zum unfairen Vergleich: Der Kölner Dom ist mit 157,38 Meter 3,3 mal so hoch).

Heute gilt die Kilianskirche hinsichtlich ihrer Kapazitäten als die größte Kirche in Lippe: 1.200 Menschen finden auf ihren Bänken Platz – zum Beten und Nachdenken, um Besinnung zu finden oder um sich, vor der Bescherung, in die richtige Weihnachtsstimmung zu bringen.

Auf dem Dach des Hauptschiffes und – noch besser – in der Spitze des Turms gibt es atemberaubende Schötmaraner Augenblicke aus der Vogelperspektive: Wer das einmal erleben möchte, kann (in Gruppen) bei der Gemeinde um eine Führung bitten. Es lohnt sich. Aber Vorsicht: Wenn die Glocke loslegt…

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schrieb am

da wurde ich getauft, konfirmiert und werde dort auch hoffentlich irgendwann heiraten:)ich verbinde so viel mit dieser Kirche, sie ist das was ich sehe wenn ich aus dem fenster gucke, das was gott in mir ist, liebe und glaube, gott gibt mir unglaublich viel kraft, wenn ich in dieser kirche bin fühle ich mich gott viel näher. Danke!

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