DVD-Check: Wintermärchen

Trügerisch: Trotz der thematisierten Beziehungsgeschichte ist Wintermärchen von Jan Bonny alles andere als verträumt und romantisch. Das soll der Film aber auch gar nicht sein. Im Gegenteil.

Eiskalt, frostig und flau kann es einem beim Kennenlernen der drei Hauptfiguren des Märchens werden. Becky, Tommi und Maik sind Neonazis. Zwar nicht aus tiefempfundener Überzeugung, dafür aber umso brutaler und menschenverachtender. Als mörderisches Trio bringen die gescheiterten, abgestumpften Vorstadtexistenzen scheinbar wahllos ausländische Mitbürger um. Einfach so – um überhaupt mal wieder etwas zu spüren. Vor, zwischen und nach den Morden muss billiger Alkohol herhalten. Oder Sex. Der Rest ist blanker Hass, Selbstmitleid und pure Aggression.

Jan Bonnys schwer erträgliches Wintermärchen erinnert natürlich an den NSU. Doch eine minutiöse und korrekte Aufarbeitung der jüngeren braunen Geschichte unseres Landes lag dem Regisseur fern. Ihn interessiert die Banalität des Bösen – die Belanglosigkeit und Beiläufigkeit, mit denen Becky, Tommi und Maik nahezu unbemerkt menschliches Leben auslöschen können. Um sich selbst zu überhöhen oder nur um irgendetwas zu verändern. Wintermärchen ist nichts für einen gemütlichen DVD-Abend. Allerdings ist das Leben ja auch längst nicht immer rosarot. Eine schockierende, hässliche Studie. Es wird kälter in Deutschland.  ta

DVD Cover Wintermärchen
Wintermärchen
Regie: Jan Bonny
125 Minuten
Drama
W-Film/Lighthouse

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