Buch-Tipp: Die Macht der Clans

Dieses Buch bietet gesellschaftliche Sprengkraft. Denn das, was die Spiegel-TV-Journalisten Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer auf den 334 Seiten (plus Anhang und Quellenangaben) beschreiben, spielt genau denen in die Karten, die als selbsternannte Beschützer des Abendlandes angeblich schon immer von der Unterwanderung unserer Gesellschaft gewusst haben wollen. 

Doch trotz der Gefahr, dass wir durch die Lektüre nun kollektiv am reaktionären Stammtisch kleben bleiben, ist Die Macht der Clans ein wichtiges Buch. Es beschreibt nämlich nicht nur dezidiert, wie skrupellos kriminelle arabische Familienclans in Berlin, Essen, Bremen und Dortmund kleine und große Straftaten begehen. Es erklärt auch das Selbstverständnis, mit dem sie sich über jede staatliche Ordnung und Obrigkeit hinwegsetzen. „Ein Clan gewährt dem Staat prinzipiell nur dort Zugang, wo er für sich einen unmittelbaren Vorteil wittert“, schreiben die Autoren.

Besonders beunruhigend: Das Phänomen der Clan-Kriminalität ist keineswegs neu. Schon in den 1980er-Jahren haben sich die Familien – eher zufällig und aus der Not heraus – formiert. Heute haben sie ihre Reihen gegen Außenstehende längst hermetisch geschlossen und ihre Claims in unterschiedlichen Bereichen der freien (auch legalen) Wirtschaft abgesteckt. Die Polizei kommt zu spät, da auch die Politik viel zu spät aufgewacht ist und jahrzehntelang nur zugeschaut und erklärt hat.

Die Autoren Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer bemühen sich um Differenzierung und sie warnen vor jeder Stigmatisierung. Umso genauer müsse nach ihrer Auffassung aber nun darauf geachtet werden, was in den geschlossenen Gesellschaften vorgeht. Das weitere Wegschauen können wir uns nicht erlauben.

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Cover Die Macht der Clans

Die Macht der Clans
Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer
Gebundene Ausgabe
352 Seiten
20,00 €
DVA

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