Schwarzweiß-Foto von Wilhelm Linnenbecker
Wilhelm Linnenbecker mit fast 80 im Jahr 1950. // Foto: Paetzold, Karl Heinz (2008): Aus Salzuflens vergangenen Tagen. Ein Bildband mit Anekdoten und Anmerkungen. MPS: Bad Salzuflen, S. 286.

Im dritten Teil der Serie Straßen und ihre Gesichter spazieren wir durch die Werler Straße. 

Foto August Freitag
August Freitag erfüllte sich in der Werler Straße einen Lebenstraum. // Foto: Paetzold, Karl Heinz (2008): Aus Salzuflens vergangenen Tagen. Ein Bildband mit Anekdoten und Anmerkungen. MPS: Bad Salzuflen, S. 318.

Das circa anderthalb Kilometer lange Verbindungsstück zwischen dem heutigen Ortsteil Werl-Aspe und der Salzufler Innenstadt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Ein dort ansässiges Unternehmen hat allerdings bis heute Beständigkeit bewiesen. Denn seit 1938 ist Linnenbecker in der Werler Straße zu finden.

Firmengründer Wilhelm Linnenbecker fasste seinerzeit einen wichtigen Entschluss: Um sein Sortiment erweitern zu können, verlegte er seinen florierenden Baustoff- und Fliesenhandel von der Bahnhofstraße in die Werler Straße. In den Nachkriegsjahren von 1945 bis 1955 beschlagnahmten allerdings die Alliierten weite Teile des Betriebsareals und quartierten sich auf dem Grundstück an der Werler Straße ein. Nach dieser Unterbrechung konnte das Unternehmen jedoch wieder an die erfolgreiche Zeit vor dem Krieg anknüpfen.

Erfolgreich wirkte in der Werler Straße auch ein Mann, der sich nur unweit des Linnenbecker-Geländes einen Lebenstraum erfüllen wollte: Der aus Bavenhausen stammende Müllermeister und Bäcker August Freitag (mittleres Bild) arbeitete über Jahre hinweg hartnäckig an dem Vorhaben, eine eigene Mühle zu besitzen. Im Jahr 1933 pachtete er bereits einen Mühlenbetrieb in Werl. Fünfzehn Jahre später ließ er dann tatsächlich seine eigene Mühle in der Werler Straße bauen. 

Aus gesundheitlichen Gründen und wegen der damals verabschiedeten Gesetze zur Stilllegung von Mühlen, stellte August Freitag seinen Betrieb jedoch in den 1960er-Jahren schon wieder ein. Nachdem seine Mühle zwischenzeitlich an einen Futtermittelbetrieb verpachtet wurde, erwarb im Jahr 2003 schließlich die benachbarte Firma Sollich das Areal. Sie ließ 2008 die alte Mühle abreißen, um einen Firmenparkplatz zu errichten. 

Gedenkstein Margarete Kornberg
Margarete Kornberngs letzte Ruhestätte in der Werler Straße. // Foto: Paetzold, Karl Heinz (2008): Aus Salzuflens vergangenen Tagen. Ein Bildband mit Anekdoten und Anmerkungen. MPS: Bad Salzuflen, S. 174.

Etwas näher zur Salzufler Innenstadt, aber immer noch in der Werler Straße, befindet sich einer der ältesten jüdischen Friedhöfe von ganz Lippe. Hier hat auch eine Frau die letzte Ruhe gefunden, deren Nachkommen in Kunst und Wissenschaft für Aufmerksamkeit sorg(t)en. Kurz nach der Geburt ihres Sohnes Hans Leo starb Margarete Kornberg im Jahr 1928. Hans Leo Kornberg emigrierte nach der Machtergreifung der Nazis nach Großbritannien, ging in die USA und wurde ein bekannter Biotechniker. 

In den 1970er-Jahren wurde er von der Queen zum Knight Bachelor geschlagen, wodurch er bis zu seinem Tod im Jahr 2019 den Namenszusatz Sir tragen durfte. Seine Enkelin, und damit die Urenkelin von Margarete Kornberg aus Bad Salzuflen, ist die englische Sängerin SuRie, die das Vereinigte Königreich im Jahr 2018 beim Eurovision Song Contest vertrat. Allerdings mit ziemlich wenig Fortune. Ein Flitzer riss ihr während des Auftritts das Mikrofon aus der Hand; sie wurde Drittletzte. 

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