Uwe Voehl

Während auf dem Weg durch die Innenstadt noch zahlreiche Menschen den lauen Frühlingsabend genossen, erwartete den Besucher in der Konzerthalle ein Schleier aus grauem Nebel und Regen – zumindest auf der Bühne.

Krimi und Thriller scheinen immer noch mit das beste Konzept, um die weiträumige Konzerthalle halbwegs gut zu füllen. Wobei es sicherlich kein Zufall ist, dass ich diesmal gleich mehrere Leute hörte, die sich nach dem guten alten Theatersaal zurücksehnten. Vielleicht lag es auch daran, dass zumindest bei mir keine so rechte Atmosphäre rüberkam.

Die Ausgangsposition klingt trotz allem vielversprechend: Ein junges Paar – Rebecca und Paul – hat einen Aufenthalt in einer einsam gelegenen Berghütte in den Black Mountains gebucht. Nicht um Urlaub zu machen, sondern um sich auszusprechen und ihrer wegen eines Seitensprung des Mannes zerrütteten Beziehung noch eine Chance zu geben. Das erweist sich umso schwieriger, als Pauls Geliebte plötzlich auftaucht. Zudem häufen sich die mysteriösen Ereignisse: eine Axt verschwindet, eine Dusche läuft, obwohl sie keiner der beiden angestellt hat, und wer wohnt eigentlich in dem einsamen Haus gegenüber?

Grelle Effekte, rasanter Szenenwechsel

Der Regisseur setzt dabei weniger auf eine dramaturgisch steigernde Handlungslinie, sondern auf grelle Effekte. In immer kürzeren Sequenzen werden Entwicklungen nur angeteasert, statt sie zu vertiefen. Das Gleiche gilt für die Gespräche zwischen Paul und Rebecca. Ebenso wird ihre Motivation stetig rätselhafter. So wie sie agieren und sprechen, reden sie schlicht aneinander vorbei. Wenn ich den Text im Programmheft richtig interpretiere, ist das vielleicht auch gewollt, heißt es da doch: „Die Figuren bleiben bewusst offen angelegt … wodurch Raum für Interpretationen entsteht.“ Nur bleibt dem Zuschauer für Interpretationen kaum Zeit, wenn minutenweise die Szenen wechseln. Insofern widerspreche ich dem Programmheft, wenn dort behauptet wird: „Der Rhythmus des Stückes ist langsam, beinahe unmerklich steigernd …“ Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn auch nicht immer nachvollziehbar, so setzen die Schauspieler ihre Wechselbäder der Gefühle sehr gut um. Wenn zum Beispiel Rebecca von einem Moment zum anderen in eine seltsame Stasis fällt und ihr irrer Gesichtsausdruck Böses erahnen lässt.

Fazit: Ein schriller Theaterabend mit ebenso schrillen Effekten, von denen weniger mehr gewesen wären!

Uwe Voehl

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