Streusalz – die Glosse im September

Der arabische Frühling ist in vollem Gange und das Rennen um gute Geschäfte mit den neuen Regierungen hat begonnen.
Deutschland soll, so ist zu hören, wegen seiner zögerlichen Haltung im UN-Sicherheitsrat leer ausgehen.
Das muss aber nicht so kommen. Denn gestürzte Diktatoren legen immer das gleiche Verhalten an den Tag: Sie fliehen ins Ausland und werden dort unheilbar krank. Und da kommt Bad Salzuflen ins Spiel: Nirgendwo sonst stehen so viele Gesundheitsimmobilien leer und ungenutzt wie hier. Warum dann nicht einen exklusiven Seniorenpark für verjagte Diktatoren?

Gaddafi schlägt sein Zelt im Stadion Flachsheide auf. Jazztanzgruppen der Stadt geben (gegen fürstliches oder wenigstens oberstliches Entgelt) seine Amazonen-Leibgarden. Mubarak und Ben Ali erhalten exklusive Residenzen auf dem Gelände der Klinik am Kurpark und des Sophienhauses. Die heimische Maklerbranche freut sich über exklusive Kundschaft und kann leerstehende Kurvillen zu Höchstpreisen an die letzten Getreuen verschachern. Der jährliche Schützenmarsch wird um Holzpanzer und Plastikraketen erweitert, fertig ist die Militärparade. Das Landestheater postiert zu ausgesuchten Terminen jubelnde Anhänger mit Plakaten auf den Salzhof.
Nachteile: Im Vitalzentrum dürfen Frauen nur noch im Burkini baden und die Stadtfeste sind künftig nur noch alkoholfrei.

Ist dieses Alleinstellungsmerkmal erstmal gut an den Markt gebracht, brauchen wir nur noch zu warten, bis auch Assad, Chavez, Castro, Kim Jong Il und all die anderen üblen Vögel fällig sind und ihre geisterhaften Reiche in unserer Stadt weiterleben.

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